Hilleberg Nallo 3 GT im Test

Veröffentlicht am: 26.09.2019 16:48:44
Kategorien : Outdoor Ausrüstung

Hilleberg Nallo 3 GT im Test

Übersicht:

Beim Zelthersteller Hilleberg denken die meisten Leute an zwei Sachen. Erstens: Zelte, die ein Leben lang auch bei übelstem Wetter halten. Zweitens: Wirklich, wirklich hohe Preise. Wir wollten einmal selbst testen, wie groß der Unterschied zwischen "nur einem Zelt" und einem Zelt von "THE Tentmaker" ist und haben das Tunnelzelt Nallo 3 GT der Red Label Serie im schwedischen Fjäll getestet.

Dafür nutzten wir eine Schulung, die im schwedischen Sitz von Hilleberg stattfand, der praktischerweise in der Nähe des Naturreservats Valadalen liegt. So konnten wir einerseits vorab hilfreiche Hintergrundinfos und Praxistipps für den Aufbau bekommen und uns netterweise das Nallo 3 GT für die Tour ausleihen. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank dafür!

Kurzinfos zum Hersteller:

Der schwedische Hersteller wurde vor über 45 Jahren von Bo Hilleberg gegründet und ist bis heute in Familienhand. Statt riesige Sortimente zu entwickeln, werden die bewährten Zelte stetig weiterentwickelt und verbessert und neue Modelle erst nach langwierigen, umfangreichen Tests auf den Markt gebracht.

Im Fokus steht dabei immer die höchste Zuverlässigkeit, der einfache Aufbau und erst an letzter Stelle das geringe Eigengewicht, damit die Zelte auch in rauesten Wetterlagen sicher und stabil bleiben. Die Materialien und Gestänge gehören zu den hochwertigsten auf dem Markt und nach der Fertigung in Estland wird wirklich jedes einzelne Zelt vor dem Verkauf einmal aufgebaut, um es auf mögliche Schwachstellen oder Qualitätsmängel zu checken.

Kurzinfos zum Zeltmodell:

Diese und noch weitere Qualitätsstandards sind der Grund für die vergleichsweise hohen Preise, die auch das Tunnelzelt Nallo 3 GT mit knapp 1115,- € aufweist. Das Nallo Zelt gehört zur Red Label Serie von Hilleberg und bildet damit die mittlere Kategorie zwischen den leichteren 3-Jahreszeiten Zelten der Yellow Label Serie und den robustesten Black Label Zelten für jeden Einsatzbereich von der Wüste bis in den Tiefschnee.

Abmessungen des Nallo 3 GTAuch die Red Label Zelte sind ganzjährig in allen Wetterlagen nutzbar, haben aber im Unterschied zum Black Label zugunsten eines niedrigeren Gewichts dünnere Materialien, schmalere Gestänge, weniger Belüfter, beim Nallo außerdem weniger Eingänge und ein schräg abfallendes Innenzelt.

Die GT-Variante besitzt dabei einen zusätzlichen Gestängebogen vor dem Innenzelt, der die Apsis verlängert und so einen kleinen Aufenthalts- und Stauraum schafft. Obwohl wir nur zu zweit unterwegs waren, fiel die Wahl auf die 3 Personen Variante, da die 160 x 220 cm große Liegefläche und die 105 cm Sitzhöhe für uns den besseren Komfort geboten haben. Das Gesamtgewicht liegt bei knapp 3 kg und ist damit nur ca. 400 g schwerer als die kleinere 2 Personen Variante.

Mit diesem Zelt im Gepäck begaben wir uns im Herbst auf Trekkingtour ins schwedische Jämtland, wo Sturm, Regen, Schnee und schroffe Berge das Zelt ausgiebig auf die Probe gestellt haben.

Ein paar Tipps vorab:Wenn die Abspannung des vorderen Lüfters herausschaut, ist das vordere Zeltende beim Aufbau schnell gefunden

Es gibt ein paar Tipps und Tricks, wie der Aufbau erleichtert wird und wie zum Beispiel die Bildung von Kondenswasser recht gut vermieden werden kann. Schon beim Einpacken vom Nallo 3 GT kannst du es so in den Packsack stopfen, dass am Ende die Abspannschnur des vorderen Lüfters ein Stück hinausschaut. So hast du gleichzeitig beim nächsten Aufbau das vordere Ende sofort griffbereit und musst nicht lange suchen und kannst die Schnur als erstes an deinem Rucksack befestigen, damit der Wind dich nicht dazu zwingt, deinem Zelt hinterherzurennen. Auch der Packsack vom Zelt sollte am besten sofort in die Jacken- oder Hosentasche wandern, damit er nicht mit der nächsten Böe gen Horizont verschwindet.

Bei der Wahl der Aufbaurichtung solltest du aus zwei Gründen den vorderen Eingang mit dem Lüfter in Windrichtung platzieren: Erstens ist vorne der Abstand vom Außenzelt zum Innenzelt durch die Apsis besonders groß. Daher kann der Wind das Außenzelt weit nach innen drücken, ohne dass es ans Innenzelt gelangt, wie es an der Rückseite der Fall wäre. Zweitens kann so durch den Lüfter der Wind perfekt hineingelangen, um die feuchte, warme Luft abzutransportieren und so die Bildung von Kondenswasser so gut wie möglich zu verhindern.

Der AufbauWährend dem Aufbau wirft das Zelt noch deutliche Falten

Als erstes kannst du nun die vorderen Ecken des Zeltes am Boden verankern und dabei darauf achten, dass die kleinen Spanngurte maximal gelockert sind. Anschließend werden die Stangen eingefädelt und der Gestängeschuh mit seinem Band festgezurrt. Beim Einfädeln der Stangen sollte idealerweise nur eine Person zugange sein.

Wenn ein freundlicher Mitcamper am Gestängekanal mitschieben möchte, steigt leider auch das Risiko, dass sich einzelne Gestängesegmente auseinanderziehen und so eine potenzielle Schwachstelle entsteht. Die Erfahrung hat gezeigt, dass es alleine mehr als einfach machbar ist.

Farblich markierte und unmarkierte Stangen und Kanäle erleichtern den AufbauDas Nallo 3 GT hat insgesamt 3 Gestängebögen, von denen 2 gleich lang und einer verlängert ist. Die verlängerte Stange und ihr dazugehöriger Gestängekanal sind farblich markiert und einfach zuzuordnen. Die Verbindungsstücke sind heller als das goldene Gestänge, sodass schneller sichtbar wird, falls ein Segment noch nicht ganz eingerastet sein sollte.

Sind alle Stangen im Zelt eingefädelt, kannst du mit den beiden hinteren Ecken des Zeltes so weit zurück gehen, bis das Außenzelt eine gute Spannung und Form erreicht. Auch hier sollten beim Befestigen der Heringe noch die Spanngurte locker sein. Die Heringe sollten übrigens in einem eher schrägen Winkel im Boden verankert und nicht einfach senkrecht hineingehämmert werden, da sie sich andernfalls leichter wieder unter Belastung herausziehen können.

Auch sollten sie so tief wie möglich im Boden versenkt werden, was mit einem Hammer oder einfach mit umliegenden Steinen schnell erledigt wird. Innen- und Außenzelt werden übrigens wie bei allen Hilleberg Zeltmodellen zusammen aufgebaut. Dadurch wird der Aufbau beschleunigt und es besteht zudem die Möglichkeit, das Innenzelt separat einzupacken, während das Außenzelt noch steht - falls doch einmal Kondenswasser auftritt oder das Außenzelt noch vom Regen durchnässt ist, ein großer Vorteil! Das Innenzelt ist einfach mit Schlaufen und kleinen Stegen am Außenzelt befestigt, sodass es sich einfach aus- und wieder einhängen lässt.Nallo beim Aufbau vor der Abspannung

Nun steht das Zelt bereits stabil, jedoch kann das Material noch ein wenig Falten werfen. Daher werden jetzt die Spanngurte an den vier äußeren Ecken an den Heringen festgezurrt und das Zelt zieht sich glatt. Wer eine wirklich windfeste Unterkunft haben möchte, der sollte nun noch die Abspannleinen befestigen und diese möglichst weit entfernt vom Zelt verankern. Wird die Abspannleine zu kurz (also zu nah am Zelt) befestigt, stimmt der Winkel der nicht mehr und der Wind hat mehr Spielraum, um gegen das Zelt zu drücken.

Die Abspannungen an den mittleren Gestängebögen und an der Vorder- und Rückseite wird einfach gerade weg abgespannt, während die Schnüre an den äußeren Stangen idealerweise in einem 45° Winkel vom Zelt wegführen.

Wenn man die Aufbaureihenfolge und die Tipps einmal verinnerlicht hat, dauert der Aufbau selbst für uns als "Hilleberg-Neulinge" weniger als fünf Minuten – und das beim ersten Versuch sogar bei vollem Sturm und Wolkenbruch. Nach dem Festzurren zieht sich das Außenzelt glattDurch die stabile Form und die Abspannungen blieb so das Außenzelt auch bei Windböen (mit bis zu 100 km/h laut Wetterbericht) immer in einem zuverlässigen Abstand zum Innenzelt.

Die Belüftung hat so herausragend funktioniert, dass bei Regen, Schnee und Sonne, auf Bergen, an Flüssen und Seen keinerlei Kondens im Innenzelt aufgetreten ist.

Und trotz des offenen Lüfters vorne und der kleinen Ventilation auf der Rückseite war es im Innenzelt nicht zu kalt. Als das Zelt von außen auch morgens noch regennass war, konnten wir wie oben beschrieben das Innenzelt separat und trocken einpacken. Auch der anschließende Aufbau und das erneute Einhängen des Innenzeltes klappte problemlos und zügig.

Als kleiner Minuspunkt sind die V-Heringe zu nennen, die zwar in den allermeisten Böden fest und sicher im Boden blieben, allerdings aufgrund der schmalen, eher kurzen Form in weicheren Böden schneller wieder ans Tageslicht wollten. An Stellen, die zu sandig oder allgemein zu weich waren, zogen sich die Heringe manchmal unter der Zugbelastung wieder heraus. Mit dem richtigen Winkel, der richtigen Stelle im Boden und einem Stein zum Einhämmern konnte das Problem allerdings behoben werden. Alles in allem war es aber ein einfacher, schneller Auf- und Abbau, der problemlos von einer Person in unter 5 Minuten erledigt werden konnte.

Auf der Seite des Herstellers und bei den gängigen Plattformen findet man übrigens zahlreiche Aufbauvideos, die auch für die anderen Zeltmodelle genau erläutern, wie der Aufbau auch in widrigsten Umständen problemlos über die Bühne geht.

Material Außenzelt und Innenzelt

Das Material des Nallo 3 GT ist das gleiche wie bei allen Hilleberg Zelten der Red Label Serie und ein Grund dafür, wie der stolze Preis der Zelte zustande kommt. Das Kerlon 1200 Material des Außenzeltes besteht aus einem 30D Ripstop-Nylon, das von beiden Seiten jeweils drei Schichten Silikon erhalten hat. Darüber hinaus besitzt es eine Weiterreißfestigkeit von 12 kg (wer schon einmal eine Probe des Stoffes in der Hand hatte, weiß, dass es mit eigener Kraft nicht möglich ist, es zu zerreißen, selbst wenn es schon eingeschnitten ist).

Ausguck durch den vorderen Lüfter im Nallo 3 GTDer Boden hat ein noch kräftigeres 70D Nylon bekommen und ist dreifach PU-beschichtet. Unser Test auf schroffem, steinigem Bergterrain, Waldboden mit spitzen Nadeln und vielen anderen Untergründen hat gezeigt, dass sich nichts hindurchsticht und keine Spur von Feuchtigkeit nach innen gelangt.

Der Rest des Innenzeltes ist aus luftigem 30D Nylon und wasserabweisend imprägniert – ein großer Vorteil, wenn man zusammen mit einem Schwall Regen ins Zelt klettert und die Tropfen trotzdem einfach abperlen. Hierfür gibt es außerdem einen zweiten kleinen Eingang am Außenzelt, der etwas weiter entfernt vom Innenzelt liegt und so den Regen nicht so weit hineinlässt. Dieser "Bad Weather Entrance" ist außerdem genauso wie der Lüfter ein ideales Guckloch, wenn man schnell die Wetterlage prüfen will.

Der Eingang kann komplett mit der Nylonabdeckung geschlossen oder halb zu einem Moskitonetz geöffnet werden, falls bessere Belüftung gewünscht ist. Alternativ gibt es auch ein separat erhältliches, komplettes Mesh Innenzelt für die Sommermonate. Zwei Innentaschen und eine integrierte Ridgeline bieten im Innenzelt für uns genügend Platz, um unsere Wertsachen und Lampen übersichtlich zu verstauen oder aufzuhängen.

Platzangebot

Die Empfehlung des Herstellers deckte sich mit unseren eigenen Erfahrungen, sodass wir zu zweit lieber die 3 Personen Variante mitnahmen. Schließlich möchte man nicht immer nur Schulter an Schulter liegen und auch noch ein wenig Zusatzplatz und Bewegungsfreiheit behalten. Das Nallo 3 GT (der Zusatz GT bezeichnet dabei die verlängerte Apsis) war daher für uns ideal, bot im Inneren locker genügend Platz für zwei breite Isomatten und in der Apsis genügend Platz für unsere Ausrüstung und als Aufenthaltsraum.

EZwei breite Isomatten und Schlafsäcke passen bequem ins Nallo 3 GTinziger Nachteil des Innenzeltes: Im Vergleich zu anderen Modellen der Red Label oder Black Label Serie fällt das Innenzelt zum Fußende hin ab, sodass man nur ganz vorne oder in der Apsis gut sitzen kann. Bei der Wahl des Aufstellplatzes sollte daher auch bedacht werden, dass der Untergrund zum Fußende hin nicht zu stark abfällt, da sonst die Matte oder der Schläfer darauf schnell zum Fußende rutscht und dort das Innenzelt Richtung Außenzelt drücken kann.

Noch ein kurzes Wort zur Farbe: Vorab hätte ich mich niemals für ein rotes Zelt entschieden. Irgendwie scheint es hierzulande ein unausgesprochenes Übereinkommen zu geben, dass Zelte möglichst unauffällig, also Dunkelgrün oder Braun sein sollten - es sei denn, man plant Tiefschnee-Expeditionen. Man will schließlich nicht auffallen, oder? In Schweden, wo das Jedermannsrecht das Zelten in der Natur erlaubt, ist es jedoch völlig egal, ob das Zelt auffällt oder nicht. Und die rote Farbe hat einen ungeahnt positiven Effekt entwickelt (auch wenn alle Fotos, die innen geschossen werden, ebenfalls einen dezenten Rotstich entwickeln, wie rechts abgebildet).Alles erscheint in warmem Rot in der Apsis des Nallo 3 GT

Es macht für die Stimmung und das Wohlbefinden einen riesigen Unterschied aus, ob man bei Kälte, Sturm und Regen in einem tristen, dunklen Zelt sitzt oder in eine warme, rote Farbe gehüllt wird. Das gelbe Innenzelt verstärkt diese Wirkung zusätzlich, sodass wir seit der Tour von unserer Abneigung gegen rote Zelte absolut geheilt sind.

Persönliches Fazit:

Das Nallo 3 GT hat uns komplett überzeugt und der Unterschied zu "normalen" Zelten zeigt sich deutlich. Der Aufbau ist auch unter widrigsten Bedingungen schnell erledigt und sobald man aus der sturmgepeitschten Umgebung ins Zelt steigt, herrscht Ruhe und Windstille. Selbst bei den starken Sturmböen, die wir erlebten, blieb es verhältnismäßig ruhig im Inneren und die stabile Konstruktion hat dafür gesorgt, dass wir uns keine Gedanken um reißenden Zeltstoff, unzuverlässige Abspannungen oder gebrochene Stangen gemacht haben. Das Außenzelt sitzt so stramm, dass es bei weitem nicht so nervtötend flattert und auch unter Sturm hat sich die Kontruktion nicht herunterdrücken lassen, wie wir es bei Zeltmodellen anderer Hersteller häufig schon erlebt hatten.

Jede Naht, jeder Reißverschluss, jedes Gurtband und all die anderen Details sind herausragend sauber verarbeitet und überzeugen durch eine einfache und leichtgängige Handhabung. Beachtet man die oben genannten Tipps, ist außerdem auch die Bildung von Kondenswasser kein Problem. Selbst bei starkem Regen kam weder von oben noch von unten Feuchtigkeit hinein und wenn wir beim Einstieg ins Zelt einen Schwall Regen mitbrachten, perlte er einfach vom Innenzelt ab.

Der Innenraum und die Apsis ist in der 3 Personen Variante des Nallo GT für zwei Personen komfortabel nutzbar, sodass wir die kleinere Version nicht empfehlen würden, sofern man sich im Inneren auch ein wenig aufhalten und nicht nur schlafen möchte.

Der oft gehörte Kritikpunkt, dass Hilleberg Zelte zu schwer seien, kann von uns absolut nicht geteilt werden. Mit knapp über 3 kg Gesamtgewicht ist das Nallo 3 GT für das, was es leistet und für seinen breiten Einsatzbereich ein echtes Leichtgewicht (und umgerechnet auf die 3 Personen, die darin übernachten könnten sogar ein waschechtes Ultraleicht-Modell!).

Wir fassen noch einmal kurz zusammen, welche Pluspunkt und Minuspunkte das Nallo 3 GT zu bieten hat.

Schema des Nallo 3 GT ZeltsPluspunkte
  • Auch in extremer Wetterlage zuverlässig und stabil
  • Einfacher, schneller Auf- und Abbau
  • Geräumige Apsis und gemütlicher Innenraum
  • Hervorragende Belüftung
  • Zwei Eingänge vorne
  • Hochwertig und sauber verarbeitet
  • Verhältnismäßig leicht
  • Großzügiger Packsack erleichtert das Einpacken
  • Farblich abgesetzte Verbindungsstücke am Gestänge zeigen, wenn Stange nicht ganz eingerastet ist
  • Innenzelt kann separat eingepackt und bei Bedarf durch Mesh-Modelle ersetzt werden
Minuspunkte
  • Innenzelt zum Fußende recht niedrig (Höher geschnittene Versionen wie das Kaitum oder die Black Label Zelte sind auch erhältlich, allerdings mit entsprechend höherem Gewicht)
  • Heringe etwas kurz und schmal, da wäre eine größere Version oder das stabilere Y-Profil von Vorteil.

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