Notfallvorsorge: Essensvorrat

- Kategorie : Praxistipps

Satt durch die Krise

Zwar kann der Mensch wesentlich länger ohne Nahrung als ohne Trinkwasser auskommen, aber gerade Notsituationen sind nicht der geeignete Zeitpunkt, um eine spontane Fastenzeit einzulegen. Schließlich gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren und genug Energie für die Bewältigung der Notlage oder sogar für eine Fluchtroute zu Fuß zu bekommen.

Im Unterschied zum Trinkwasservorrat sind die Essensvorräte für die Notfallvorsorge aber etwas komplexer, da es hier nicht nur um reine Mengen, sondern auch um die Zusammensetzung, Lagerfähigkeit und beim Fluchtrucksack auch um das Gewicht der Lebensmittel geht.

Je länger ihr euch von der Notfallreserve ernährt, desto wichtiger wird schließlich neben der Kalorienzahl auch die ausgewogene Zusammenstellung mit den verschiedenen Nährstoffgruppen und Vitaminen. Und im Unterschied zum Wasser werden die Lebensmittel nicht einfach in saubere Kanister oder Flaschen abgefüllt, sondern müssen vom Rohzustand durch kochen, eingelegen, trocknen, einfrieren oder räuchern Zustand jeweils erst lagerfähig gemacht werden.

Darüber hinaus gehört zum Bereich Essen nicht nur die Vorratshaltung, sondern auch die Zubereitung. Daher ist auch ein Kocher mit passendem Brennstoff, der beim Stromausfall oder im Fluchtrucksack die Herdfunktion übernimmt, ein wichtiger Bestandteil der Notfallvorsorge.

Wir fassen einmal zusammen, welche Dinge ihr bei der Notfallvorsorge im Bereich Essen beachten solltet, welche Mengen und Lebensmittel in Frage kommen.

Notfallversorgung ohne Fasten – welche Mengen sind sinnvoll?

Bei der Notfallvorsorge im Bereich Essen teilt sich die Frage nach der Menge in zwei Themen auf: Einmal die Gesamtmenge, die pro Person und Tag an Kalorien bereitstehen muss und einmal die vielen verschiedenen Teilmengen der einzelnen Lebensmittel. Schließlich müssen wir unsere Mahlzeiten im Unterschied zum Trinkwasser erst noch zusammenstellen – oder anders gesagt:

Wer vor einem Kanister mit der Aufschrift "Trinkwasser" steht, weiß, was ihn erwartet. Ein Kanister mit der Aufschrift "Essen" wirft hingegen noch ein oder zwei Fragen auf.

Bevor wir aber betrachten, welche konkreten Lebensmittel wir einlagern, müssen wir die Kalorien- und Nährstoffmengen unter die Lupe nehmen.

Menge und Zusammenstellung

Essensvorräte gelagertAllgemein gilt, dass eine Menge von etwa 2000 kcal pro Person pro Tag an Energiebedarf anfällt. Je nach Statur, Alter, Gesundheitszustand und Aktivität kann dieser Bedarf natürlich unterschiedlich ausfallen. Rund 2000 kcal am Tag sind jedoch ein guter Orientierungspunkt, um die grundlegende Energiezufuhr für den Tag abzudecken.

Dabei ist aber natürlich nicht nur die Kalorienmenge, sondern auch die Zusammensetzung von Bedeutung – andernfalls könnte man jeden Tag ein 250 ml Glas voller Öl trinken, um den Bedarf an Kalorien zu decken, was aber weder geschmacklich noch gesundheitlich empfehlenswert ist.

Bei der Zusammenstellung der Lebensmittel helfen zum Beispiel die Tipps der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, die unseren täglichen Nahrungsbedarf in 7 Lebensmittelgruppen unterteilt. Die 7. Gruppe besteht aus Getränken, daher sind hier nur die anderen 6 für uns interessant (zum Trinkwasservorrat in Krisenzeiten gibt es einen eigenen Blogartikel). Bei der jeweiligen Menge müssen die Empfehlungen der DGE ein wenig für die Notfallvorsorge angepasst werden, da schließlich auch die Lagerfähigkeit der Lebensmittel bedacht werden sollte.

Empfehlungen wie "5 am Tag", bezogen auf 5 Portionen frisches Gemüse oder Obst, lassen sich im Fluchtrucksack rein aus Gewichtsgründen nur schwierig umsetzen und auch Zuhause ist die Lagerfähigkeit eingeschränkt, vor allem wenn beim Stromausfall die Kühlmöglichkeiten wegfallen. Wenn Obst und Gemüse allerdings getrocknet, eingekocht oder anderweitig lagerfähig gemacht werden, lassen sich auch solche Tipps für die Notfallvorsorge umsetzen.

Aber andererseits sollte man bei der Notfallvorsorge auch die Kirche im Dorf lassen. Es geht schließlich darum, für einen Zeitraum von wenigen Tagen eine Sicherheitsreserve anzulegen und nicht darum, sich in Notzeiten perfekt an alle erdenklichen Ernährungsregeln zu halten (was wir im normalen Alltag schließlich auch eher selten machen).

Wichtig: Bedenke bei der Zusammenstellung der Lebensmittel spezielle Bedürfnisse von Kindern, Menschen mit Vorerkrankungen oder Allergikern, die nicht alle Lebensmittel vertragen oder einen erhöhten/anderen Bedarf an bestimmten Nährstoffen haben. Und natürlich gehört in die Notfallvorsorge auch eine Reserve an Futter für die Haustiere.

Außerdem wichtig: Nervennahrung einplanen! Eine Krisensituation ist anstrengend und nervenaufreibend genug, da schadet eine kleine Belohnung in essbarer Form nicht.

Zuhause vs. Unterwegs

Outdoor Küche im Einsatz mit FeuerIn der Notfallvorsorge für unterwegs kann man es sich beim Thema Essen vergleichsweise einfach machen. Die Angebote für getrocknete Trekkingnahrung, die einfach nur mit heißem Wasser aufgegossen werden müssen, sind extrem vielfältig und in Sachen Kalorien und Nährstoffen schon so zusammengestellt, dass auch bei sportlichen Outdoor Aktivitäten eine optimale Versorgung gewährleistet ist. Die getrocknete Fertignahrung ist häufig über Jahre hinweg haltbar und für den Transport im Rucksack schön leicht und kompakt im Packmaß.

Natürlich kann man die gefriergetrockneten Gerichte auch Zuhause als Notfallreserve lagern. Ob für einen Zeitraum von 1 bis 2 Wochen jeden Tag Fertiggerichte auf dem Speiseplan stehen sollten, sei einmal dahin gestellt, aber zumindest als Ergänzung können solche Gerichte die Notfallplanung vereinfachen. Darüber hinaus kann mit einem Backofen oder einem Dörrautomaten auch das eigene, frisch gekochte Essen schonend getrocknet und dadurch eine Zeit lang haltbar gemacht werden.

Um ein wenig Abwechslung in den Speiseplan auch in Notfallsituationen zu bringen, macht es bei der Vorsorge Zuhause mehr Sinn, verschiedene Lebensmittel mit guter Lagerfähigkeit einzuplanen, aus denen ihr in den schwierigen Zeiten zumindest kulinarisch für gute Laune sorgen könnt.

Bei der Auswahl der Lebensmittel kannst du dich an den oben erwähnten Lebensmittelgruppen der DGE und an den Empfehlungen des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe orientieren. Die Gruppen laut DGE sind:

  • Getreide, Getreideprodukte, Kartoffeln
  • Gemüse, Salat
  • Obst
  • Milch und Milchprodukte
  • Fleisch, Wurst, Fisch und Eier
  • Öle und Fette

Die 7. Gruppe, die Getränken, haben wir wie oben erwähnt hier weggelassen. Die anderen Lebensmittelgruppen sind von oben nach unten danach sortiert, wie hoch der mengenmäßige Anteil an der täglichen Ernährung sein sollte – oder anders gesagt: täglich viel Getreideprodukte, Gemüse und Obst und mäßig bis wenig Fett, Milchprodukte und Fleisch am Tag.

Welche Lebensmittel zur Lagerung geeignet sind

Eingelagertes Obst und Gemüse in EinmachgläsernBei der größten Gruppe – dem Getreide und den Getreideprodukten – ist die Lagerfähigkeit meist von vorneherein sehr gut. Reis, Couscous, Bulgur, Linsen und andere getrocknete Hülsenfrüchte sind häufig sehr lange haltbar, sofern sie an einem trockenen, kühlen Ort untergebracht werden. Achte auch auf gut verschlossene bzw. verschließbare Packungen, damit sich keine Mehlmotten oder anderes Ungeziefer an dem Vorrat bedient.

Ein frischer Vorrat an Gemüse und Obst ist nur bedingt lagerfähig. Hier lohnt es sich, auf haltbare Sorten wie Äpfel, Kartoffeln oder ähnliches zurückzugreifen oder gleich getrocknete Varianten zu besorgen. Und auch Gemüse und Obst in Konserven oder Gläsern lässt sich langfristig einlagern. Darüber hinaus kannst du auch damit anfangen, eigene Kräuter in Blumentöpfen zu ziehen, die bei einer vorsichtigen Ernte stetig nachwachsen.

Wer einen Garten oder Balkon besitzt, kann unabhängig von Notsituationen eigenes Gemüse, Obst und Beeren in Töpfen, Kübeln oder Beeten anpflanzen (schmeckt ohnehin viel besser als gekauftes Gemüse!). So wäre zumindest im Sommer ein Vorrat an frischem Gemüse unabhängig von Einkaufsmöglichkeiten vorhanden.

In der Gruppe "Milch und Milchprodukte" bekommt man häufig ebenfalls lange haltbare Produkte im Supermarkt. Zu dieser Gruppe gehören neben Milch, Käse, Joghurt und anderen Milchprodukten natürlich auch die pflanzlichen Alternativen wie Hafermilch, Tofu, Käseersatz, usw. Kuhmilch und pflanzliche Milch ist meist lange haltbar, während die Erzeugnisse daraus häufig eine Kühlung erfordern. Daher sind sie nur bedingt für den Notvorrat geeignet.

In der vorletzten Gruppe – Fleisch, Fisch, Eier und deren pflanzliche Alternativen – gilt ebenfalls die oftmals kühlabhängige Lagerfrist. Getrocknete, eingekochte, eingelegte oder anderweitig konservierte Produkte sind hierbei am besten geeignet.

Und in der letzten Gruppe, der Öle und Fette, lassen sich flüssige Öle meist sehr lange einlagern, während festere Fette wie Butter, Margarine, usw. abermals von einer dauerhaften Kühlung abhängig sind. Die Vorräte sollten entsprechend so gewählt werden, dass sie unabhängig von der Kühlmöglichkeit (und Stromversorgung) lange haltbar sind.

Zu guter Letzt noch der Hinweis, dass auch lange haltbare Lebensmittel regelmäßig überprüft werden sollten. Du kannst es dir auch zur Gewohnheit machen, die neu eingekauften Lebensmittel wie Nudeln, Hülsenfrüchte oder Konserven in das Notvorratlager zu packen und die dort eingelagerten Mengen zum Kochen zu verwenden. Neu gekaufte Lebensmittel sollten dabei immer nach hinten ins Regal gestellt werden, damit die früher verderblichen Produkte zuerst verzehrt werden.

So hast du einen stetigen Wechsel und stellst sicher, dass du immer die am längsten haltbare Version im Notfallregal hast. Dabei gilt jedoch zu beachten, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum kein Ablaufdatum ist und die Lebensmittel nicht sofort beim Überschreiten der Zeitfrist entsorgt werden müssen.

Beim Fluchtrucksack kommt ergänzend hinzu, dass hier möglichst ein optimales Verhältnis von ausreichender Kalorienzufuhr und geringem Eigengewicht erreicht werden sollte. Neben der oben erwähnten Trekkingnahrung zählen vor allem Nüsse, Müsliriegel und ähnliches dazu.

Welche Mengen gehören in den Notvorrat?

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat mehrere Tabellen zur Notfallvorsorge herausgegeben, die genaue Mengenvorschläge für eine 10-tägige Vorratshaltung machen. An den oben genannten Gruppen orientiert, ergeben sich dabei pro Person folgende Mengen:

  • Getreide und Getreideprodukte: 3,5 kg
  • Gemüse und Salat: 4 kg
  • Obst: 2,5 kg
  • Milch, Milchprodukte und pflanzliche Alternativen hierzu: 2,5 kg
  • Fleisch, Fisch, Eier und pflanzliche Alternativen hierzu: 1,5 kg
  • Fette und Öle: Rund 400 g

Vergiss wie oben erwähnt in der Planung dabei nicht die Haustiere und Ernährungsvorräte für Allergiker oder Personen mit besonderem Lebensmittelbedarf. In der Regel dürften die ohnehin vorhandenen Gewürze dabei ausreichen, damit die Notfallküche nicht zu fad wird.

Für unterwegs kannst du dich an den Mengen orientieren, die du auch für eine Wanderung einplanen würdest. Dabei empfiehlt sich pro Tag zwei warme Trekkingmahlzeiten, ein Müsli o. ä. zum Frühstück und Snacks für zwischendurch. Beim Notvorrat gehen wir allerdings nicht davon aus, dass mehr als zwei Tage ohne Versorgung mit dem Rucksack eingeplant werden müssen. Bedenke bei der Planung immer, dass neben dem Essen und der Trinkwasserversorgung auch die Ausrüstung mit getragen werden muss.

Die Notfall Kochstelle

Ultraleichter Outdoorkocher im EinsatzEbenso wie die Lebensmittelvorräte nicht von Kühlung abhängig sein sollten, ist auch beim Kochen an sich eine Planung unabhängig der Stromversorgung sinnvoll. In unserem Blogartikel zu Outdoorkochern kannst du dich informieren, welche Brennstoffe und Kochertypen sich in welchen Merkmalen unterscheiden. Sowohl für unterwegs als auch für das Reservelager Zuhause sollte entsprechend ein Kocher mit passendem Brennstoff und Zündvorrichtung (Feuerzeug, Zündstahl oder Streichhölzer) griffbereit zur Verfügung stehen.

Da die wenigsten Outdoor Kocher auf großes Kochgeschirr zugeschnitten sind, macht es unter Umständen außerdem Sinn, sich ein Set aus kompaktem Outdoor Kochgeschirr zusammenzustellen, dass Zuhause wie auch im Fluchtrucksack zum Einsatz kommen kann. Bei der Lagerung des Brennstoffes ist natürlich entsprechend Vorsicht geboten, dass die Kartuschen oder Flaschen nicht beschädigt oder zu hohen Temperaturen ausgesetzt werden.

Fazit

Einen Notfallvorrat für Zuhause anzulegen oder den Fluchtrucksack zu bestücken, ist kein Hexenwerk. Mit einer ausgewogenen Zusammenstellung, regelmäßiger Prüfung und einer stromunabhängigen Kochstelle steht der guten Ernährung auch in Krisenzeiten nichts im Wege. Suche einen kühlen und trockenen Lagerplatz und denke daran, die Vorräte regelmäßig durch neuere Produkte zu tauschen.

Achte bei den Mengen auch besondere Bedürfnisse, vergiss deine Haustiere dabei nicht und plane ein wenig Nervennahrung ein. Zusammen mit einem ausreichenden Trinkwasservorrat kannst du so entspannter durch schwierige Zeiten gehen und dich darauf verlassen, dass du auch ohne äußere Hilfe zumindest in Sachen Ernährung für eine Weile zurechtkommst.

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