Notfallvorsorge: Trinkwasservorrat

Veröffentlicht am: 30.06.2020 16:50:55
Kategorien : Praxistipps

Notfallvorsorge: Trinkwasservorrat

Wasser lagern, entkeimen und konservieren

Die Versorgung mit Trinkwasser ist der wichtigste Bereich der Vorsorge, da ein Mangel an dieser Stelle schon nach drei bis vier Tagen ernsthafte Auswirkungen auf die Gesundheit haben kann.

Glücklicherweise ist im Normalfall die Versorgung mit Trinkwasser hierzulande gesichert und darüber hinaus ist auch die Qualität des Wassers sehr hoch und wird streng kontrolliert.

Dennoch macht es durchaus Sinn, sich für die Vorsorge Zuhause und unterwegs einen Vorrat anzulegen und sich einmal Gedanken darüber zu machen, wie die Versorgung auch unabhängig vom Wasserhahn sichergestellt werden kann.

Beim Trinkwasser gibt es dabei verschiedene Bereiche, die je nach Umfang deiner Notfallvorsorge abgedeckt werden sollten. Man könnte sie in die folgenden vier Punkte unterteilen:

  • Vorrat anlegen
  • Wasser entkeimen und filtern
  • Wasser langfristig haltbar machen
  • Wasser transportieren

Wasservorrat anlegen

Ein Vorrat an Trinkwasser ist einer der wichtigsten Bausteine der Notfallvorsorge und darf in keinem Fall vernachlässigt werden! Schließlich hat wohl inzwischen jeder schon einmal folgende Regel gehört:

Ein Mensch kann bis zu drei Wochen ohne Nahrung, aber nur drei Tage ohne Flüssigkeitszufuhr überleben.

Selbst wenn es noch nicht ums Überleben geht, verursacht ein Mangel an Trinkwasser schon nach kurzer Zeit ernsthafte gesundheitliche Probleme. Dementsprechend ist ein ausreichender Vorrat oder der gesicherte Zugang zu Trinkwasser unverzichtbar, wenn es zu einer Notlage kommen sollte und der Nachschub über den Supermarkt nicht mehr gesichert ist.

Wie groß sollte der Vorrat sein?gefüllte und gerollte Faltflasche mit 2 Litern Fassungsvermögen nebeneinander

Die 3-Tage Regel bezieht sich nicht nur auf klares Trinkwasser, sondern auf Flüssigkeitszufuhr allgemein. Auch wasserhaltiges Obst und Gemüse sowie andere Getränke tragen natürlich einen Teil zur benötigten täglichen Flüssigkeitsmenge bei. Die offiziellen Empfehlungen des BBK (Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe) zählen daher Mineralwasser, Fruchtsäfte und andere lagerfähige Getränke zum möglichen Vorrat.

Die empfohlene Menge sollte pro Person mit 2 Liter pro Tag angesetzt werden, wobei 1,5 Liter zum Trinken und ein halber Liter zum Kochen oder Backen eingerechnet werden. Dabei wird auf den meisten offiziellen Seiten zum Thema Notfallvorsorge ein Zeitraum von 10 Tagen angesetzt, für den eine Versorgung geplant werden soll. Beim Thema Wasser entspricht dies einer Menge von 20 Litern pro Person. Die Wassermengen, die zum Beispiel zur Körperhygiene oder zum Wäschewaschen benötigt werden, stehen dabei erst einmal außen vor und werden im eigenen Blogartikel zum Thema "Hygiene" erklärt.

Wie groß der angelegte Vorrat sein kann, hängt davon ab, ob es um die Notfallvorsorge in den eigenen vier Wänden oder um den Vorrat in einem Fluchtrucksack geht. 14 Liter Flüssigkeit pro Person pro Woche kann Zuhause problemlos gelagert werden, während mehr als 2 Liter Wasser im Rucksack sich schon schwieriger gestalten und zu viel Stauraum und Gewicht in Anspruch nehmen.

Daher steht bei der Notfallvorsorge Zuhause eher das Haltbarmachen und Lagern im Vordergrund, während im Fluchtrucksack nur ein kleinerer Vorrat und vielleicht noch eine Möglichkeit zur Wassergewinnung wichtiger ist. Wie vorab im einleitenden Artikel zur Notfallvorsorge erwähnt, geht es schließlich beim Fluchtrucksack mehr darum, nur wenige Tage zu überbrücken und nicht um ein dauerhaftes Leben "aus dem Rucksack".

Egal ob Zuhause oder unterwegs, das Wasser zum Trinken und Kochen muss natürlich sicher, sauber und möglichst lange haltbar sein, damit keine gesundheitlichen Risiken entstehen.

Natürliche WasserquelleSicheres, sauberes und haltbares Trinkwasser

Dieser Bereich teilt sich in zwei Gruppen auf, die wir am Anfang schon einmal in der Aufzählung erwähnt haben und die beide miteinander zusammenhängen.

  • Wasser entkeimen und filtern
  • Wasser langfristig haltbar machen

Der erste Bereich ist vor allem Zuhause wichtig und soll sicherstellen, dass das eingelagerte Wasser möglichst lange keimfrei bleibt und nicht verunreinigt wird. Die Vorbereitung auf einen Notfall soll schließlich den Vorteil bringen, dass wir uns in Krisensituationen weniger Sorgen um unsere Verpflegung machen müssen. Wenn ich allerdings alle zwei Monate prüfen muss, ob der Wasservorrat noch haltbar und sauber ist, verpufft genau dieser Vorteil.

Um Wasser langfristig haltbar zu machen, muss es beim Abfüllen frei von Keimen sein, die sich ansonsten vermehren würden. Auch der Kanister oder die Flaschen, in die das Wasser abgefüllt werden, müssen entsprechend sauber, keimfrei und unbeschädigt sein. Auch das Abkochen und Einwecken des Wassers kann die Haltbarkeit steigern.

In jedem Fall gelten die gleichen Empfehlungen wie bei Lebensmitteln, was die Lagerung betrifft. Der Lagerort sollte möglichst dunkel, kühl und trocken sein, da diese Umgebung für Keime ungünstig ist und damit deren Ausbreitung ein Stück weit behindert.

Wer sein Wasser im Supermarkt gekauft hat, bekommt schon von vorneherein einen lange haltbaren Vorrat. Glücklicherweise ist hierzulande auch das Trinkwasser aus dem Hahn von hervorragender Qualität, jedoch spielt hier zum einen die Art der heimischen Wasserleitungen und auch der regionale Wasserversorger eine Rolle.

Bei selbst abgefülltem Wasser, sei es aus dem Hahn, aus natürlichen Gewässern oder aufgefangenes Regenwasser, sollte es entkeimt und ggf. auch gefiltert werden, bevor es in Flaschen oder Kanistern landet.

Wasser entkeimen und filternSawyer All In One Wasserfilter mit seinem Zubehör

Die Entkeimung und Filterung von Wasser ist Zuhause wie unterwegs interessant. Eine ausführliche Erläuterung zu den Entkeimungsmethoden und Filterarten findest du in unserer Onlineshop-Kategorie Wasseraufbereitung. An dieser Stelle soll der Übersicht halber nur eine allgemeine Einführung folgen.

Im Outdoorbereich sind Entkeimungsmittel und Wasserfilter schon längst keine Neuheit mehr. Jeder, der schon einmal eine Reise in Länder mit fragwürdiger Trinkwasserversorgung unternommen und jeder, der einmal auf sich gestellt in der Wildnis unterwegs war, kennt die Notwendigkeit einer zuverlässigen, sicheren und sauberen Wasserversorgung.

Die Methoden, um das Trinkwasser zu entkeimen und haltbarer zu machen, sind aber nicht nur in fernen Ländern und entlegenen Wäldern, sondern auch bei der Notfallvorsorge nützlich. Dabei kann man grundsätzlich zwischen mechanischen Filtermethoden und chemischer Entkeimung unterscheiden.

In dem einen Fall wird das Wasser mechanisch durch Pumpen oder durch die Schwerkraft durch extrem kleine Poren gepresst, die zwar Wasser hindurchlassen, aber zu klein für Bakterien und andere Keime sind. In dem anderen Fall zersetzen chemische Verbindungen oder UV-Licht die Keime und verhindern so, dass diese sich im Wasser oder nach dem Trinken im Körper ausbreiten können.

Beide Methoden sind sowohl Zuhause als auch unterwegs nutzbar.

Wasser Zuhause entkeimen und haltbar machen

Glücklicherweise ist es hier meist nicht notwendig, das Trinkwasser erst einmal zu entkeimen, bevor wir es trinken. Wenn wir jedoch in anderen Ländern unterwegs sind – vielleicht sogar in Zeiten einer Corona Pandemie, in denen je nach Land das Haus zeitweise nicht verlassen werden darf – oder wenn wir einen Wasservorrat abfüllen wollen, um nicht so häufig einkaufen zu müssen, machen Entkeimungs- und Filtermethoden durchaus Sinn.Tap Adapter von Sawyer im Einsatz mit einem Filter

Die Filtermethoden haben den Vorteil, dass sie keine Einwirkzeit benötigen und das Wasser direkt im Abfüllvorgang entkeimen, indem sie es durch so kleine Poren leiten, die für Bakterien, Einzeller und andere Keime eine unüberwindbare Barriere darstellen.

Ideal sind hierbei die Hohlfaserfilter, die sich wie der Sawyer Squeeze, Mini oder All in One Filter mit einem Adapter direkt mit dem Wasserhahn verbinden lassen. Keramikfilter sind eher für stark eingetrübtes Wasser vorgesehen und daher entweder im Outdoor Einsatz, zum Filtern von Regenwasser oder in Ländern mit verschmutztem Trinkwasser geeignet.

Wer sein Wasser mit einem Filter entkeimt, kann es im Kanister oder in der Flasche zusätzlich noch mit einer Behandlung mit Silberionen länger vor neuer Keimentwicklung schützen und damit länger haltbar machen.

Alternativ gibt es auch Entkeimungsmittel in Tropfen- oder Tablettenform, die im Unterschied zum Filter die Keime nicht herausfischen, sondern sie zersetzen und abtöten. Bei Mitteln wie Micropur Forte ist gleichzeitig auch ein Teil Silberionen enthalten, sodass das Wasser in einem Schritt entkeimt und haltbar gemacht wird. Ein zusätzliches Mittel (Antichlor) kann außerdem den Chlorgeschmack aus dem Wasser holen.

Bei klarem Wasser gibt es zu guter Letzt noch mit UV-Sterilisationslampen eine dritte Möglichkeit zur Entkeimung. Für große Mengen Wasser, wie sie Zuhause eingelagert werden sollen, ist allerdings der mechanische Filter wohl die schnellste und einfachste Lösung.

Wasser unterwegs entkeimen und haltbar machen

Für die Entkeimung und Filterung unterwegs muss vor allem eine tragbare Lösung her. Glücklicherweise sind unsere Filter für den Outdoorbereich und damit auch perfekt für den Notfallrucksack geeignet (mehr zum Wassertransport im nächsten Abschnitt).

Keramikfilter wie der MSR Guardian sind dabei in der Regel etwas sperriger und schwerer als die ultraleichten Hohlfilter, dafür kannst du sie aber auch bei sehr trübem Wasser nutzen und einfacher reinigen, ohne dass der Filter sich zu schnell zusetzt. Das Keramikelement, durch das das Wasser gefiltert wird, besitzt dabei so kleine Poren, dass keine Bakterien und Keime hindurch gelangen.

Oftmals sind auch noch Aktivkohlefilter zwischengeschaltet, die zusätzlich den ggf. schlechten Geschmack des Wassers verbessern.Befree Filter von Katadyn im Einsatz

Hohlfaserfilter sind die leichteste Variante und wie oben erwähnt auch oft flexibel nutzbar, zum Beispiel mit dem Wasserhahn, an einer Trinkblase oder direkt auf der Trinkflasche. Die Filterelemente bestehen aus zahlreichen, hohlen Fasern mit feinen Poren. Zur Reinigung ist je nach Modell eine Spritze dabei, die das Wasser umgekehrt durch den Filter pumpt und dadurch äußere Ablagerungen entfernt. Trotzdem sollten diese Filter eher mit klarem Wasser verwendet werden.

Unterwegs sind solche Filter äußerst praktisch, da zum Beispiel einfach das Wasser aus dem nächsten Bach oder Fluss in eine entsprechende Flasche gefüllt und durch den Filter getrunken werden kann. So ein System erspart einem (sofern eine zuverlässig gefüllte Wasserquelle in der Nähe ist) den Transport schwerer Wasserflaschen.

Wenn das Wasser nicht direkt getrunken, sondern zunächst abgefüllt werden soll, kann es anschließend wie das gelagerte Wasser Zuhause noch mit Entkeimungs- und Konservierungstabletten behandelt werden. Wenn das Wasser sehr klar ist und kein Filter benötigt wird, reichen ggf. sogar nur diese Entkeimungsmittel.

Auch UV-Lampen wie der SteriPen sind eine sehr gute Lösung für unterwegs, da sie handlich, leicht und einfach in der Handhabung sind. Allerdings muss hierfür das Wasser ebenfalls sehr klar sein, damit das UV-Licht überhaupt alle Keime im Wasser erreicht und zersetzen kann.

Wer das Wasser im Rucksack mitnehmen oder einen Vorrat (zum Beispiel an einem Zeltlagerplatz) anlegen will, kann auf eine Vielzahl an Transportlösungen zurückgreifen.

Wassertransport und -lagerung unterwegs

Im Rucksack stehen natürlich nur begrenzte Kapazitäten für den Wassertransport zur Verfügung und in der Regel werden etwa 2 bis maximal 3 Liter eingepackt. Die klassische Transportlösung hierfür sind entweder Trinkflaschen aus Metall oder Kunststoff oder Trinkblasen mit Trinkschlauch, die in den Rucksack am Rückenbereich eingebaut werden.

Wasser holen mit dem Savotta WassersackDiese Möglichkeiten sind in allen möglichen Größen und Formen erhältlich und decken meist einen Bereich zwischen 500 ml und 3 Litern ab. Wer unterwegs zuverlässig an Wasser kommen kann und daher öfter auffüllt, statt von vorneherein eine große Menge mitzunehmen, kann zusätzlich darauf achten, dass der Transportbehälter selbst wenig wiegt und sich vielleicht auch noch platzsparend verstauen lässt.

Hierfür gibt es zum Beispiel zahlreiche Faltflaschen, die sich kompakt zusammenrollen oder einfalten lassen und daher im ungefüllten Zustand nur wenig Gewicht und Stauraum im Rucksack beanspruchen.

Wer für den Zeltplatz oder andere Unterkünfte einen Wasservorrat besorgen will, der findet außerdem größere Wassersäcke und Faltkanister.

Faltkanister haben dabei den Vorteil, dass sie sich gut aufstellen und über einen Zapfhahn direkt und einfach leeren lassen. Wassersäcke haben hingegen ein kleineres Packmaß, lassen sich häufig auch als Trinksystem oder Outdoor Dusche verwenden, sind aber je nach Modell etwas schwieriger zu entleeren – wobei es auch hier Varianten mit Schlauch und Ventil gibt, die sich ebenso leicht wie ein Kanister leeren lassen.

Die Größe dieser Wassertransportlösungen liegt meistens zwischen 2 und 10 Litern. Die Transport- und Lagermöglichkeiten für Trinkwasser sind daher für den Einsatz unterwegs vor allem auf größtmögliche Flexibilität, leichtes Eigengewicht und auch auf robuste Materialien ausgerichtet, während beim Gebrauch Zuhause die klassischen Trinkflaschen oder auch größere, gut stapelbare Kanister von Vorteil sind.

Fazit Wasser in der Notfallvorsorge

Trinksystem für den RucksackAusreichend Trinkwasser ist überlebenswichtig, das gilt für das alltägliche Leben ebenso wie für Krisensituationen. Eine Menge von mindestens 2 Litern pro Person pro Tag sollte entweder als Vorrat Zuhause eingelagert werden (laut offizieller Empfehlung für etwa 10 Tage), als Tagesration im Rucksack dabei sein oder durch den zuverlässigen Zugang zu einer Wasserquelle gewährleistet werden. Berechne dabei mit ein, dass du sauberes Trinkwasser nicht nur zum Trinken selbst, sondern auch zum Kochen oder Backen benötigst (und natürlich für den Bereich Hygiene, der in einem separaten Artikel behandelt wird).

Um den Wasservorrat lange haltbar zu machen und um sich bei fragwürdigen Wasserquellen abzusichern, stehen verschiedene Filtermethoden sowie Entkeimungsmittel und Konservierungsmittel zur Verfügung. Die Filter und Entkeimungsmethoden benötigen dabei je nach Modell einen unterschiedlichen Grad an Sauberkeit und Klarheit, den das Wasser vorab haben muss.

Und zu guter Letzt kannst du den Wasservorrat in vielen verschiedenen Flaschenmodellen, Wassersäcken, Trinkblasen oder Kanistern transportieren, lagern und verteilen.

Im nächsten Artikel geht es um das zweitwichtigste Thema der Vorsorge: Essen und Kochen. Ebenso wie beim Wasser spielt hier auch die richtige Lagerung, Methoden zum Haltbarmachen, die geeignete Vorratsmenge und darüber hinaus auch die verschiedenen Kocher eine Rolle.

Fügen Sie einen Kommentar hinzu