Wie baue ich ein Tarp auf?

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Ultraleichte Tarps mit vielseitigen Aufbaumöglichkeiten

Das Tarp ist eine der leichtesten Möglichkeiten, einen wetterfesten Unterschlupf zu bauen. Gleichzeitig bietet es im Vergleich zum komplett geschlossenen Zelt ein extrem naturnahes Erlebnis und lässt sich im Aufbau flexibel an die Umgebung anpassen. Der Nachteil daran: Du musst im Unterschied zum Zelt auch selbst für einen stabilen Aufbau sorgen und hast kein Gestänge, das dir diesen Job abnimmt.aufgebautes Tarp mit Innenzelt

Bei einem Blick auf die vielen "How To …" Anleitungen im Netz kann dabei jedoch der Eindruck entstehen, dass jeder Tarp Besitzer erst einmal eine mehrwöchige Schulung in Statik und Knotentechnik braucht, um aus dem Tarp mehr als nur eine Bodenplane zu machen. Dabei ist es im Grunde recht einfach.

Jeder, der dazu in der Lage ist, auf irgendeine Art und Weise ein Seil zu verknoten und ggf. auch einen Stock oder eine Stange senkrecht auf den Boden zu stellen, hat die wichtigsten Voraussetzungen zum Tarpaufbau schon erfüllt. Auch wenn du nicht weißt, was ein A-Frame, ein Lean-To, ein Topsegelschotstek, ein Mastwurf oder eine Ridgeline ist, kannst du dich mit einem leichten Tarp auf den Weg machen und einen soliden Unterschlupf errichten.

Wir haben hier für Tarp-Neulinge einmal übersichtlich zusammengefasst, wie du das passende Tarp für dich findest und welche einfachen Aufbauvarianten es gibt. Wer sich den Auf- und Abbau zusätzlich etwas komfortabler gestalten will, kann in unserem Blogartikel "Kleine Knotenkunde" nachlesen, wie sich schnell und einfach Abspann- und Befestigungsknoten knüpfen lassen, die sich vor allem auch wieder einfach lösen lassen.

Bevor aber überhaupt der Aufbau in Angriff genommen werden kann, musst du dich für eine Tarpgröße entscheiden.

Die richtige Größe finden

Tarpgrößen im VergleichBei der Größe der Tarps kann man sich wundern, warum zum Beispiel eine Fläche von etwa 3 x 2 m nur für eine Person gerechnet wird, wie zum Beispiel beim Hilleberg Tarp 5 oder beim Exped Solo Tarp. Die letztendlich genutzte Fläche wird jedoch je nach Aufbau mehr oder weniger stark reduziert.

Eine Länge von mindestens 3 Metern ist zumindest für alle Aufbauvarianten mit Sitzhöhe oder mehr empfehlenswert, damit Isomatte und Schlafsack in voller Länge darunter passen und noch ein wenig Überhang da ist.

Selbst wenn du den Fußbereich am Boden befestigst, kann es mit weniger als 3 m Länge zu knapp werden und hineinregnen, falls deine Schlafstätte bündig mit der Tarpkante endet.

Wenn allerdings das Tarp insgesamt recht nah am Boden fixiert wird, kann auch noch ein kürzeres Modell ausreichen. Jedoch ist so eine Version, wie sie zum Beispiel beim Outdoor Research Wilderness Cover umgesetzt wird, eher eine Notunterkunft oder zumindest eine sehr spartanische Lösung, in der nur der Aufenthalt im Liegen möglich ist.

Wenn du dich unterm Tarp auch aufhalten, etwas kochen oder lesen möchtest, sollte zumindest eine Sitzhöhe vorhanden sein und die Abmessungen entsprechend lang genug sein. Beim Kochen unterm Tarp ist natürlich Vorsicht geboten. Vor allem, wenn du mit dem Hobo über offener Flamme kochst, muss die Höhe und der Aufbau so gestaltet sein, dass der Rauch sicher abzieht und die Hitze der Flammen genügend Abstand zum Tarpmaterial hat.

Auch die recht großzügig erscheinende Breite von mindestens zwei Metern für eine Person relativiert sich schnell. Da das Tarp in den meisten Fällen als abgewinkeltes Dach oder Schrägwand aufgebaut wird, liegst du nicht unter den gesamten 2 Metern, sondern unter einer etwas schmaleren Fläche. Darüber hinaus soll schließlich auch deine Ausrüstung unter dem Tarp Platz finden und vielleicht lieber neben dir statt am Kopf- oder Fußende liegen, damit du sie besser erreichst.

Wie gesagt: Es kommt stark darauf an, wie du dein Tarp aufbaust. Je steiler die Seitenwände am Ende abfallen und je näher du sie am Boden fixierst, desto weniger Platz kannst du in der Breite nutzen. Für zwei Personen wird daher in der Regel eine Größe ab 3 x 3 Metern verwendet, für vier Personen und mehr sind Abmessungen ab etwa 4 x 4 Metern (meistens sogar etwas mehr) sinnvoll, auch damit die Ausrüstung mit unterkommen kann.

Durch das extrem leichte Eigengewicht der Tarps wählen ohnehin viele Outdoorer lieber die großzügigere Variante, um mehr Schutz und Bewegungsfreiheit zu erhalten. Die verschiedenen Aufbaumöglichkeiten hängen dabei auch von der Form des Tarps und der Anzahl an Ösen ab.

Welche Form soll das Tarp haben?

Verschiedene Tarp GrundrissformenDie meisten Tarps sind quadratische oder rechteckige Planen mit mehreren Aufhänge-Ösen und lassen sich extrem vielseitig aufbauen. Wenn du eine bestimmte Aufbauvariante bevorzugst, gibt es darüber hinaus auch pfeilförmige, diamantförmige, fünfeckige, sechseckige und weitere Varianten, die eben durch diese Form einen speziellen Aufbau erleichtern.

Eine Sonderform sind Pyramidentarps wie das PyraOmm, die sozusagen den Übergang zwischen geschlossenen Zelten - oft auch mit der Möglichkeit, ein passendes Innenzelt einzuhängen - und offenen Tarps darstellen.

Aufbauvarianten

Schon die einfache rechteckige Plane bietet dir (neben unzähligen anderen kreativen Lösungen) drei typische Formen für den Aufbau: Als schräge Seitenwand mit einer Längsseite am Boden, als klassisches Dach mit abfallenden Wänden oder als flächiges Pultdach ohne "Knick" in der Mitte.

Schrägdach

Tarp Poncho als SchrägdachFür die erste Variante benötigst du klassischerweise zwei Trekkingstöcke (oder Aufstellstangen, oder Äste) und mindestens vier Heringe für die Abspannung. Die lange Seite, die dem Wind zugewandt ist, wird direkt mit den Heringen am Boden fixiert.

Anschließend stellst du an einer Ecke deine Aufstellstange auf und spannst sie mithilfe einer Schnur so ab, dass sie selbstständig stehen bleibt und das Tarpmaterial an ihrer Ecke auf Spannung gebracht wird. Anschließend wiederholst du das Gleiche an der anderen Ecke mit dem zweiten Stock und spannst ggf. alles noch etwas fester ab. Wenn viele Bäume in der Umgebung stehen, kannst du diesen Aufbau auch ganz ohne Stöcke errichten.

Wenn dein Tarp auf den langen Seiten weitere Ösen besitzt, kannst du diese für den Aufbau nutzen und deinem Schrägdach ein wenig mehr Stabilität verleihen. Anstatt das Tarp mit zwei Schnüren an den Aufstellstangen abzuspannen, kannst du stattdessen eine lange Schnur einsetzen, die die gesamte Längsseite plus die beiden Abspannungen an den Stöcken abdeckt. So hängt die obere lange Seite in der Mitte nicht so stark durch.

Nachdem die windzugewandte Seite am Boden fixiert ist, fädelst du hierfür anschließend die Schnur durch die Ecken und mittleren Ösen der gegenüberliegenden Seite, und zwar so, dass an beiden Ecken ein ordentliches Stück Schnur überhängt.

Du kannst nun diese überhängenden Enden der Schnur schon im Boden fixieren, sodass alle vier Ecken des Tarps nun fixiert sind - zwei direkt am Boden, zwei mit längeren Schnüren und etwas Abstand. Am besten spannst du die Schnüre dabei schräg von der Tarpecke weg und fixierst sie nur mit wenig Spannung, sodass du deine Stöcke noch unter das Tarp bekommst. Nachdem die Schnurenden im Boden verankert sind, kannst du die Stöcke in den Ecken aufstellen und alles abspannen. Wie die Stöcke mit dem Tarp verbunden werden, hängt von der Konstruktion des Tarps ab. Meist sind entweder Metallösen in den Ecken eingearbeitet, in die du einfach die Stockspitze stecken kannst. Andernfalls kannst du mit der Schnur eine kleine Schlaufe bilden, die als Halterung für die Stöcke dient.

Im aufgebauten Zustand sollte also die Schnur von der ersten Abspannung im Boden über den ersten Stock und die gesamte Längsseite hin zum zweiten Stock verlaufen und in dessen Abspannung im Boden enden.

Firstdach

Tarp als A-Frame aufgebautDiese Form ist auch unter dem Namen A-Frame, Giebeldach oder einfach Schlafzelt bekannt. Das Tarp sieht dabei am Ende so aus, wie man sich jedes klassische Hausdach vorstellt. Die Mitte des Tarps hängt am höchsten, während links und rechts die Seitenwände nach unten hin abfallen. Der Name A-Frame bezeichnet dabei schlichtweg den A-förmigen Eingangsbereich, der dadurch entsteht.

Um zunächst einmal den Dachfirst, also die höchste Seite des Tarps abzuspannen, gibt es bereits verschiedene Optionen. Eine typische Herangehensweise ist dabei, erst einmal die beiden Endpunkte an den kurzen Seiten mit aufgestellten Stöcken abzuspannen, sodass vom einen bis zum anderen Ende des Tarps schon eine gewisse Grundspannung herrscht. Anschließend werden die Seitenwände am Boden fixiert oder mithilfe von Schnüren weiter abgespannt, um mehr Platz zu erhalten.

Dabei kannst du den Fußbereich auch direkt am Boden fixieren, um an dieser Stelle mehr Windschutz zu bekommen. Dafür kannst du die Rückseite zuerst am Boden mit Heringen fixieren, anschließend vorne die Aufstellstange befestigen und danach die Seiten abspannen. Wenn dir das Tarp nach hinten hin zu stark abfällt, kannst du den Fußbereich auch mit einem niedrig eingestellten Trekkingstock oder kürzeren Ast aufstellen oder von innen eine kurze Aufstellstange hineinstellen, die den Fußbereich anhebt.

Achte bei dieser letzten Variante aber darauf, dass du entweder deinen Trekkingstock mit dem weichen Griff nach oben hineinstellst oder bei anderen Stöcken und Stangen dafür sorgst, dass irgendeine Form von Schutz zwischen dem Stockende und dem Tarpmaterial liegt, damit es nicht beschädigt wird.A-Frame über Hängematten

Trekkingstöcke sind nicht nur durch ihren abgerundeten Griff eine gute Aufstellhilfe, auch lassen sie sich oftmals stufenlos in der Höhe verstellen, sodass du die Spannung des Materials und die Aufstellhöhe flexibel einstellen kannst.

Für die Aufbauvariante, bei der auch eine kurze Seite am Boden befestigt wird, sind übrigens die fünfeckigen bzw. diamant- oder pfeilförmigen Tarps ideal, bei denen eine Seite spitz zuläuft und etwas länger ist. Diese Seite wird schließlich nach vorne hin abgespannt und bietet dort ein verlängertes Dach, während die anderen vier Ecken am Boden fixiert werden können.

Eine andere Möglichkeit, dein Tarp zum Dach abzuspannen, ist eine Schnur oder ein Gurtband, das du zwischen zwei Bäumen spannst. Diese Schnur – auch Firstschnur oder Ridgeline genannt – ist schließlich der höchste Punkt deines Tarps. Anschließen musst du nur das Tarp überwerfen und kannst beide Seiten nach unten hin abspannen. Diese Version ist auch beim Hängemattencamping beliebt, da hier ohnehin schon die Schlafstätte zwischen zwei Bäumen aufgespannt wird und so eine geeignete Aufhängung für die Ridgeline vorhanden ist.

Pultdach

Bei dieser Variante wird die gesamte Tarpfläche genutzt, da es nicht abgewinkelt, sondern als flache Ebene über dich gespannt wird. Dabei sollten jedoch natürlich nicht alle Ecken auf der gleichen Höhe sein, da ohne eine gewisse Neigung der Regen ein hervorragendes Sammelbecken bekommt, das die gesamte Konstruktion zum Einsturz bringen oder zumindest für nasskalte, böse Überraschungen sorgen kann.

Exped Tarp III als Pultdach aufgespanntDiese besonders luftige Variante ist entsprechend eher für trockene und wenig stürmische Wetterbedingungen geeignet und erfordert entweder mehrere Aufstellstöcke oder ausreichend viele Abspannmöglichkeiten in der. Du kannst es im Grunde aufbauen wie die A-Frame Konstruktion mit zwei Aufstellstangen, nur dass du die Seitenwände eben nicht zum Boden führst, sondern sie gerade zur Seite weg spannst.

Auch wenn du das Tarp auf diese Art und Weise einfach mit Schnüren in den Bäumen festzurrst, sind jedoch zusätzliche Aufstellstangen von Vorteil, um die Konstruktion zu stabilisieren und das Material an den beanspruchten Aufhängepunkten zu entlasten.

Eine solche offene Konstruktion ist darüber hinaus am ehesten dazu geeignet, darunter zu kochen, ohne dass der Rauch sich im Innenraum staut. Achte dabei aber immer darauf, das Tarp hoch genug abzuspannen und das Feuer niedrig genug zu halten, damit das Material nicht durch die Hitze beschädigt wird. Das Pultdach eignet sich übrigens auch dafür, einen geschützten Vorraum vor dein Zelt zu bauen.

Fazit

Welche Größe?

Wenn du allein unterwegs bist, sind Abmessungen ab 3 x 2 m ideal, sofern du nicht nur flach unter dem Tarp liegen willst und ein wenig Platz für deine Ausrüstung haben möchtest. Bei zwei Personen sollten es mindestens 3 x 3 m und bei vier Personen mindestens 4 x 4 Meter sein. Überlege vorab, welcher Aufbau dir am meisten zusagt und rechne mit ein, dass je nach Konstruktion weniger Fläche genutzt werden kann.

Welches Zubehör?

Wenn du dir nicht sicher bist, ob und wie viele Bäume und andere Aufhängemöglichkeiten in der Umgebung zu finden sind, nimm entweder Trekkingstöcke oder Aufstellstangen mit und dazu genügend Heringe, um alle Abspannungen notfalls im Boden verankern zu können. Wenn dein gewähltes Tarpmodell keine oder nur eher kurze Abspannseile mitbringt, packe dir eine ausreichende Menge bzw. Länge an Zusatzschnüren ein.

Welcher Aufbau?

Je näher du dein Tarp am Boden befestigst, desto wind- und regengeschützter wird die Konstruktion. Probiere am besten vorher draußen ein paar Aufbaumöglichkeiten aus und schaue, welche dir am besten gelingt und deinen Platz- und Schutz-Anforderungen am besten genügt. In unserem Blogartikel zu den verschiedenen Knoten kannst du dir zusätzliche Tipps holen, wie die Abspannung und Befestigung einfach gelingen.

Falls du noch Fragen zum Aufbau, zur Größe, zum Material oder anderen Eigenschaften der Tarps hast, besuche uns in unserem Bonner Laden, ruf an oder schreib uns eine E-Mail. Wir helfen dir gerne dabei, das passende Tarp für deine Touren zu finden!

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