Das passende Zuhause für deine Touren finden

Welche Zelte ist für welche Aktivität geeignet? Soll es ein Kuppelzelt, Tunnelzelt oder Geodät sein? Welche Wassersäule muss es mindestens haben? Und was hat es mit Polyester, Nylon, Silikon oder Polyurethan auf sich? Bei der gigantischen Auswahl fällt es vielen schwer, einen Anfang zu finden. Wir zeigen dir, wie du das passende Zelt für dich entdecken und dich im Dschungel der verschiedenen Formen, Materialien und Größen zurechtfinden kannst.

Welche Zeltgröße brauche ich?

Die erste Frage, die vor jedem Zeltkauf gestellt werden sollte, ist: Wie viele Personen sollen darin schlafen? Oder anders ausgedrückt: Wie gerne magst du die Personen, mit denen du im Zelt übernachtest? Die Hersteller geben zwar meist eine Personenzahl an, jedoch wird dabei je Zeltgast meist nur eine Breite von etwa 60 cm veranschlagt. Daher solltest du vorab überlegen, ob das Zelt zwecks Gewichtsersparnis eher minimalistisch ausfallen darf oder ob du ein wenig mehr Freiraum und Stauraum bevorzugst.

Schließlich gefällt es nicht jedem, Rücken an Rücken oder Schulter an Schulter im Zelt zu liegen. Wer etwas Distanz zum Bett- bzw. Isomatten-Nachbarn bevorzugt, sollte entsprechend ein Zelt auswählen, das für eine Person mehr ausgelegt ist, als tatsächlich darin übernachten. Für dein Gepäck bieten manche Zelte eine oder mehrere Apsiden. Andere sind ausreichend lang gehalten, damit Rucksack, Schuhe und andere Ausrüstung am Fuß- oder Kopfende Platz finden. Sollte beides nicht der Fall sein, ist es auch hierbei besser, eine Person zusätzlich bei der Zeltgröße einzuplanen.

So oder so: Schaue dir vorher die Abmessungen des Zeltes an und überlege, wie viel Platz, Bewegungsfreiheit und Stauraum du unterwegs mindestens benötigst. Wenn du dir unsicher bist, kannst du auch die Abmessungen deiner Isomatte als Maßstab zu Hilfe nehmen und darauf achten, dass der Zeltinnenraum nicht zu knapp bemessen ist. Ist die Größe einmal geklärt, steht an nächster Stelle die Frage nach der geeigneten Zeltform.

Kuppel, Tunnel, Tipi oder Geodät – Welchen Unterschied die Zeltform machen kann.

Die Form des Zeltes macht bei weitem nicht nur optisch einen Unterschied. Je nach Modell fallen Aufbau, Größe des Innenraums, Windstabilität und viele weitere funktionelle Aspekte extrem unterschiedlich aus. In den meisten Fällen wird die Entscheidung wohl zwischen Kuppel- und Tunnelzelt gefällt, jedoch gibt es noch weitere Formen, die ihre ganz eigenen Vorteile besitzen. Vorab gilt es also zu überlegen, welche Art der Zelt-Tour du damit überwiegend in Angriff nehmen willst und welche Anforderungen du an dein Zelt stellst.

Kuppelzelt – der stabile Klassiker

Das Kuppelzelt gehört nicht ohne Grund zu den beliebtesten Zeltformen. Der Aufbau ist denkbar einfach und auch von Laien intuitiv machbar. Das klassische Kuppelzelt besitzt in der Grundform zwei Stangen, die überkreuzt werden und so die namensgebende Kuppel errichten. Der riesige Vorteil dieser Konstruktion: es ist freistehend und kann je nach Größe und Gewicht bequem als Ganzes von A nach B bewegt werden, bis der ideale Platz gefunden ist. Die diagonal überkreuzten Stangen bieten eine gute Windstabilität und benötigen je nach Gelände und Witterungsbedingung nicht zwingend eine weitere Abspannung.

Die Kuppelkonstruktion ist inzwischen in verschiedenen Ausführungen erhältlich. Da die einfache Bauweise mit zwei Stangen nur einen minimalistischen Vorraum und einen einfachen quadratischen Schlafraum bietet, sind in vielen Modellen weitere Stangen hinzugekommen. So lässt sich das Zelt um geräumige Apsiden oder großzügigere Schlafkabinen erweitern.

Der Nachteil: jede zusätzliche Stange bedeutet zusätzliches Gewicht. Manche Hersteller wie MSR haben daher statt kompletter Zusatzstangen einfach verzweigte Gestänge entwickelt, die für zusätzlichen Raum und Stabilität mit minimalem Zusatzgewicht sorgen. Dennoch fallen die Zeltwände bei der Kuppelkonstruktion meist schräg nach unten ab, sodass derjenige, der weit außen schläft, oft nicht viel Abstand zwischen sich und dem Innenzelt hat. An dieser Stelle kommen die Vorteile eines Tunnelzeltes ins Spiel:

Tunnelzelt – das leichte Raumwunder

Bei einem Tunnelzelt werden die Stangen nicht überkreuzt, sondern parallel zueinander aufgebaut. Meist werden zwei oder drei Gestängebögen eingesetzt, die quer zur Schlafrichtung verlaufen. Damit das Tunnelzelt überhaupt stehen kann, muss es jedoch in jedem Fall abgespannt werden. Daher musst du entweder ein passendes Gelände mit geeignetem Boden ausfindig machen oder mit der Wahl der richtigen Heringe auf die unterschiedlichen Bodenbeschaffenheiten vorbereitet sein.

Dafür wirst du mit einem (im Vergleich zum Kuppelzelt) geringeren Eigengewicht und großzügigeren Innenraum belohnt. Da die Stangen nicht wie bei der Kuppelkonstruktion das gesamte Zelt in der Fläche überspannen müssen, fallen die Stangen im Verhältnis zur Zeltgröße etwas kürzer aus. Die steileren Gestängebögen sorgen außerdem dafür, dass die Zeltwände beinahe senkrecht nach oben ragen. Dadurch muss niemand im Inneren mit dem Gesicht direkt unter der Zeltwand schlafen. Die steileren Zeltwände haben allerdings den Nachteil, dass sie mehr Angriffsfläche für Wind bieten. Sofern es dir möglich ist, baue dein Tunnelzelt daher am besten mit der Windrichtung auf, um die Angriffsfläche zu minimieren.

Viele Tunnelzelte sind so lang gestaltet, dass sich am seitlichen Eingang direkt auch ein Vorraum für die Lagerung der Ausrüstung oder die windgeschützte Zubereitung des morgendlichen Kaffees befindet. Auch hier sind die steileren Wände ein klarer Vorteil im Vergleich zum Kuppelzelt, zumindest wenn letzteres nur einen flach abgespannten Vorraum besitzt.

Wenn du jedoch nach einer ursprünglicheren Variante suchst, ist vielleicht das Tipi genau die richtige Zeltform für dich.

Tipi – zurück zu den Ursprüngen

Jeder, der schon einmal einen Indianerfilm gesehen hat, kennt es: das pyramidenförmige Tipi. Diese ursprüngliche Zeltform wird in der nordischen Variante auch Kote genannt und wurde traditionell auf einem Gestell schmalen Holzstangen errichtet. Dabei wurden drei Grundpfeiler pyramidenförmig angeordnet und durch viele weitere Stangen stabilisiert. Die heute häufig bei Pfadfindern und Wandergruppen verwendete Tipiform wird hingegen von einer hohen Stange in der Mitte getragen und zu den Seiten kegelförmig aufgespannt.

Der große Vorteil: mit vergleichsweise wenig Aufwand und einer einzigen Stange wird ein großflächiges Zelt, meist mit Stehhöhe, für viele Personen aufgebaut. Der Nachteil: alle Schläfer müssen sich um die Stange in der Mitte des Zeltes herum drapieren. Außerdem ist das Abspannen ähnlich wie beim Tunnelzelt unerlässlich, damit die Konstruktion stabil steht. Entsprechend ist diese Form am besten geeignet, wenn du die Bodenbeschaffenheit genau kennst und die umfangreichere Abspannung problemlos möglich ist. Falls du sehr starken Wind erwartest, ist das Tipi aufgrund seiner großen Flächen auch nur dann geeignet, wenn du für eine ausreichende Abspannung sorgen kannst.

Im Unterschied zu anderen Zeltformen ist beim Tipi dafür kein zusätzlicher Vorraum zur Aufbewahrung der Ausrüstung oder als Aufenthaltsraum erforderlich. Der gesamte Campingalltag kann sich im großzügig geschnittenen Zelt abspielen, dass mit einem Rauchabzug selbst das Kochen im Innenraum ermöglicht – natürlich nur unter Einhaltung der Feuerschutzregeln. Die heutigen Varianten sind je nach Modell mit oder ohne Innenzelt und Bodenplane erhältlich.

Falls dir alle bisherigen Varianten nicht genug Schutz vor Wind und Wetter bieten, ist eine ganz besondere Zeltform möglicherweise besser geeignet – der Geodät.

Geodät – Stabilität bei jedem Wetter

Der Begriff Geodät leitet sich von der sogenannten geodätischen Linie ab, die die kürzeste Verbindung zweier Punkte auf einer gekrümmten Fläche bezeichnet. Auf den ersten Blick sieht der geodätische Aufbau einem Kuppelzelt sehr ähnlich. Wer genauer hinschaut, entdeckt jedoch, dass hier mehr Stangen zum Einsatz kommen. Die meist halbkugelförmige Zeltplane wird an mehreren Stellen von den Stangen umspannt. Dadurch entstehen viele Kreuzungspunkte, sogar mehr Kreuzungspunkte als eingesetzte Stangen, was den Geodäten stabiler als alle anderen Zeltformen macht. Aus diesem Grund ist diese Zeltform besonders für Expeditionen oder für Zelttouren in Regionen mit rauen Wetterbedingungen beliebt.

Ebenso wie das Kuppelzelt ist der Geodät freistehend und kann so im Notfall sogar ohne Heringe oder Abspannleinen aufgebaut werden. Dabei muss jedoch ausreichend Gewicht im Innenraum platziert sein, um das Zelt auch bei Wind an Ort und Stelle zu halten. Ein weiterer positiver Nebeneffekt der vielen Stangen: die Zeltplane wird stabiler aufgespannt und wird selbst ohne Abspannung kaum durchhängen. Diese Spannung sorgt für extreme Windstabilität und kann auch Lasten, die zum Beispiel durch Schneefall entstehen, besser standhalten.

Der Nachteil dieser Konstruktion liegt jedoch auch auf der Hand. Zum einen ist der Aufbau der vielen überkreuzten Stangen etwas umständlicher als die einfachen Kuppel- oder Tunnelkonstruktionen. Zum anderen bedeuten mehr Stangen auch mehr Gewicht. Dem versuchen die Hersteller mit ultraleichten und robusten Materialien entgegenzuwirken, was sich dann aber wiederum auf den Preis niederschlägt. Trotz allem lohnt sich die Investition, denn eine Expedition oder anspruchsvollere Zelt-Tour erfordert absolute Zuverlässigkeit und Stabilität.

Das ist dir alles noch viel zu schwer? Für Minimalisten und Ultraleicht-Fans gibt es wohl nur eine richtige Antwort auf die Zeltfrage: das Tarp.

Tarp – der ultraleichte Minimalist

Ein Tarp ist im Grunde nichts anderes als ein Zeltdach ohne Boden und Innenzelt. Im Bereich Bushcraft, beim Militär oder für Ultraleicht-Touren ist es inzwischen unverzichtbar. Der riesige Vorteil ist das minimale Eigengewicht. Alles was du brauchst, ist die nach Tarpaulin benannte Zeltplane, die sich mit deinen Wanderstöcken, Holzstangen aus dem umliegenden Wald oder sogar nur mit Schnüren aufspannen lässt. Es gibt jedoch auch Tarps mit Gestängebögen, die sich als einfaches Schutzdach, als Schlafplatz für größere Gruppen oder als zusätzliches Vorzelt einsetzen lassen. Durch den Verzicht auf ein Innenzelt und damit auch auf Reißverschlüsse, Zeltboden oder Innentaschen wird das Gewicht in jedem Fall auf das Minimum reduziert.

Die offene Konstruktion ist allerdings weniger für Komfort-Camper geeignet. Auch wenn manche Modelle Seitenwände besitzen, ist das Tarp bei weitem nicht so windgeschützt wie die geschlossene Variante. Auch die fehlende Bodenplane bedeutet für viele Leute ein wenig zu viel direkten Kontakt mit Mutter Natur. Wobei sich dieser Schutz natürlich mit entsprechender Ausrüstung ergänzen lässt. Alles in allem ist das Tarp eine flexible Lösung für alle, die möglichst wenig Gewicht tragen wollen, die gerne unter freiem Himmel schlafen und dennoch nicht völlig auf Schutz verzichten wollen. Manche Varianten sind sogar so flexibel aufgebaut, dass sie gleichzeitig auch als Regenponcho getragen werden können.

Sonstige Modelle
Für die meisten Outdoor-Fans wird die Entscheidung zwischen den bisher vorgestellten Zeltformen getroffen werden. Darüber hinaus gibt es jedoch auch noch weitere Sonderformen, die nicht zu 100 % einem einzigen Zelttyp zuzuordnen sind.

Firstzelt

Das Firstzelt beschreibt die klassische Zeltform, wie sie auch als Icon verwendet wird. Die dreieckige Form erinnert an ein Dach und entsteht zum Beispiel, wenn ein Tarp mithilfe von zwei Stangen aufgespannt wird. Dadurch erklärt sich auch der Begriff First, der vom Dachfirst abgeleitet wurde. Dieser Aufbau ist sehr simpel und erfordert wenig Materialien.

Der Nachteil ist, dass das Zelt in jedem Fall abgespannt werden muss, dass das Dach ohne Zusatzstange recht schnell durchhängen kann und dass sowohl vorne als auch hinten eine Stange mittig vor dem Ein- bzw. Ausgang steht. Die schräg abfallenden Wände sorgen zudem dafür, dass der Innenraum im Vergleich zu anderen Zeltformen schlechter ausgenutzt wird, weshalb diese Zeltform (zumindest in der geschlossenen Variante mit Innenzelt) immer seltener Verwendung findet.

Einbogenzelt

Das Einbogenzelt ist meist eine abgespeckte Version des Tunnelzeltes, wo ein Gestängebogen in der Mitte platziert wird. Diese Variante findet sich häufig bei ultraleichten 1-Personen Zelten und überzeugt durch das unvergleichlich leichte Eigengewicht. Nachteil ist der sparsam gehaltene Innenraum, der maximal Sitzhöhe bietet. Aus diesem Grund gibt es inzwischen auch Einbogenzelte, deren Stange nicht quer, sondern parallel zum Schlafraum verläuft und am Ende mit einem verzweigten Gestänge für etwas mehr Nutzungsfläche im Inneren sorgt. Diese Zeltform ist vor allem für ultraleichtes Gepäck geeignet, jedoch auf ein bis zwei Personen beschränkt.

Wurfzelt

Bei den Wurfzelten ist vor allem der Auf- und Abbau lustig anzusehen. Die meist günstigen Modelle besitzen ein ringförmiges Gestänge, das sich von selbst entfaltet, sobald es die Packtasche verlässt. Mit einem Wurf „ploppt“ das Gestänge in Form und es entsteht eine Art Tunnelzelt, das dank des Bodennahen Gestänges auch ohne Abspannen in Form gehalten wird. Was häufig mit einem gönnerhaften Lächeln souverän auf den Campingplatz geworfen wird, sorgt jedoch spätestens beim Abbau für schmunzelnde Zuschauer.

Wer die Zusammenfalt-Technik der Wurfzelte noch nicht verinnerlicht hat, wird wohl bei den ersten Versuchen für Belustigung der Umstehenden und Frust bei sich selbst sorgen. Das gesamte Zelt muss ineinander gedreht und gefaltet werden, bis es wieder seinen scheibenförmigen Grundriss erlangt hat. Somit liegen Vor- und Nachteile klar auf der Hand. Der Vorteil liegt im meist günstigen Preis und im einfachen Aufbau, den jeder bewältigen kann, der es schafft, das Zelt aus seiner Hülle zu nehmen. Der Nachteil ist der umständliche Abbau, das große Packmaß und häufig auch das günstige Fiberglasgestänge, das nicht allzu viele Jahre durchhält. Daher ist diese Variante eher für die ersten Festivalversuche oder für die ersten Zelterlebnisse der Kinder im eigenen Garten geeignet.

Aufblasbare Zelte

Diese recht neue Entwicklung ist vor allem für Autocamper geeignet. Zwar scheint es auf den ersten Blick so, als müssten die mit Luft gefüllten „Gestänge“ leichter sein als massive Stangen, jedoch ist es in der Praxis genau umgekehrt. Damit die Luftschläuche das Gewicht des Zeltes tragen und gegen Beschädigungen geschützt sind, wird relativ schweres Material eingesetzt. Der große Vorteil liegt hierbei im einfachen Aufbau, der nur eine entsprechende Luftpumpe erfordert. Auch Einzelpersonen können so riesige Zelte aufstellen, ohne den Zusammenbau und das Einfädeln der Stangen.

Du hast also entschieden, wie groß dein Zelt sein soll und welche Form du bevorzugst. Dennoch wirst du feststellen, dass es selbst jetzt noch viele verschiedene Modelle zur Auswahl gibt. Die preislichen und funktionellen Unterschiede liegen nun noch im Material begründet. Auch hierbei solltest du überlegen, für welche Aktivitäten du dein Zelt verwenden möchtest und wie hoch die Anforderungen sind. Möchtest du zunächst einmal probieren, ob das Zelten für dich in Frage kommt oder gehörst du zu denjenigen, bei denen das Zelt jedes Jahr unverzichtbar zum Urlaub dazugehört? Planst du eine Reise zum Mount Everest Base Camp, möchtest du mehrere Monate zu Fuß die Welt erkunden oder steht der jährliche Campingurlaub in der Eifel an?

Je nach Einsatzzweck machen nicht nur die Zeltformen, sondern auch die verwendeten Materialien einen großen Unterschied.

Wassersäulen, Beschichtungen, Nylon oder Polyester – ist Zeltstoff nicht gleich Zeltstoff?

Klare Antwort: Nein. Die eingesetzten Materialien sind nicht einfach nur „Zeltstoff“, genauso wenig, wie ein Zelt einfach nur „zeltförmig“ ist, wie die unterschiedlichen Formen es oben gezeigt haben. Ob das Außenzelt aus Polyester oder Polyamid besteht, ob eine PU-Beschichtung oder Silikon eingesetzt wird und wie hoch die Wassersäule ist, kann in der Praxis entscheidende Vor- oder Nachteile haben.

Polyester mit PU-Beschichtung

Polyester hat gegenüber Polyamid (Nylon) den Vorteil, dass es sich bei Nässe nicht dehnt und so auch nach einem längeren Schauer nicht nachgespannt werden muss. Das Material ist zudem reißfest und langlebig. Meist wird es in Verbindung mit einer Polyurethan-Beschichtung verwendet. Dies hat wiederum den Vorteil, dass sich die Nähte im Inneren problemlos mit einem Nahtband versiegeln lassen und so eine hundertprozentige Wasserdichtigkeit erreicht werden kann.

Der Nachteil der Beschichtung ist, dass sie mit den Jahren durch Abrieb beim Ein- und Auspacken und UV-Strahlung abnehmen kann. Daher sollte die Wassersäule bestenfalls 3000 mm oder mehr betragen, um diesen Rückgang zu kompensieren. Für zusätzliche Stabilität wird häufig auch Rip-Stop-Polyester eingesetzt, dass bei einem Loch oder Riss nicht zu weit aufreißt und dadurch einfacher repariert werden kann. Meist wird es bei niedrig- und mittelpreisigen Modellen eingesetzt, da es im Vergleich zu Nylon etwas schwerer ist.

Silikonisiertes Polyamid

Ultraleichte Highend-Zelte sind meist aus einem leichten silikonisierten Rip-Stop-Nylon gefertigt. Zwar ist Polyamid grundsätzlich etwas empfindlicher gegenüber Nässe und UV-Strahlung, jedoch hebt die Silikonschicht diese Nachteile auf. Zudem ist die Silikonabdichtung im Vergleich zur PU-Beschichtung langlebiger und wetterbeständiger. Dadurch ist Silikon besonders für die häufige bzw. dauerhafte Verwendung sehr gut geeignet und kommt mit einer niedrigeren Wassersäule aus, da diese nicht so stark nachlässt.. Der Nachteil des silikonisierten Gewebes liegt darin, dass die Nähte nicht mit einem Tape abgedichtet werden können. Entweder kannst du mit einem flüssigen Nachtdichter selbst tätig werden oder auf die raffinierten Mischformen zurückgreifen, wie sie zum Beispiel MSR anbietet. Modelle wie das Hubba besitzen sowohl eine Silikonbeschichtung außen als auch eine PU-Beschichtung auf der Innenseite, die mit Naht-Tapes versehen werden kann.

Neben den synthetischen Materialien gibt es auch Zelte aus Baumwolle, deren Fasern bei Kontakt mit Regen aufquellen und dadurch annähernd wasserdicht sind. Das Klima in solchen Zelten wird als besonders angenehm empfunden, jedoch sind sie durch ihre lange Trocknungszeit und ihr unfassbar hohes Eigengewicht eher nicht für den Rucksack-Wanderer geeignet.

Der Zeltboden

Der Boden eines Zeltes wird am stärksten strapaziert. Steine, Gräser, Wasser und Schlamm sind nur einige der Dinge, die von unten permanent auf das Material einwirken können. Entsprechend muss die Bodenplane robuster und dichter sein als das übrige Material. Besonders robust und langlebig ist dabei Polyethylen (kurz PE), was jedoch verhältnismäßig schwer und groß im Packmaß ist. Leichter und kleiner zu verpacken sind hingegen Polyester oder Nylon. In der Regel wird der Zeltboden mit mehreren Schichten aus Polyurethan versehen, um eine hohe Wasserdichtigkeit von bis zu 10000 mm Wassersäule zu erreichen.

Was genau ist aber diese Wassersäule und wie werden diese Werte ermittelt?

Wassersäule

Kurz und bündig erklärt: Bei der Ermittlung der Wassersäule wird das zu testende Material unter einen Zylinder gespannt, der mit Wasser gefüllt wird. Die Angabe der Wassersäule beschreibt, wie hoch theoretisch der Wasserstand in diesem Zylinder (oder eben der Säule) sein kann, bis sich auf der Unterseite des Material das Wasser beginnt, durchzudrücken. Je nach Maßstab gelten Werte ab 1300 oder 1500 mm als absolut wasserdicht. Wozu also überhaupt eine Wassersäule die höher ist, als dieser Normwert?

Das Wasser schwebt leider nicht immer als sachter Nieselregen auf das Zelt herab. Unter normalen Umständen kann ein mehr oder weniger starker Druck dazukommen. Dieser Druck entsteht zum Beispiel durch starken Wind, bei einem richtigen Wolkenbruch oder ganz einfach, wenn du dich im Zelt auf den Boden kniest und so punktuell Druck auf das Material ausübst. Daraus erklärt sich auch, warum der Zeltboden in beinahe allen Fällen eine höhere Wassersäule aufweise, als das Außenzelt.

Die höhere Wassersäule erreichen die Hersteller dadurch, dass sie zum Beispiel die PU- oder Silikonbeschichtung in mehreren Schichten auftragen. Das unverwüstliche Kerlon-Material von Hilleberg besteht so zum Beispiel aus Polyamid, das von beiden Seiten mit je drei Schichten Silikon versehen wurde. Dadurch erreicht der Hersteller eine Wassersäule von etwa 5000 mm.

Neben anderen Faktoren spielt die Wassersäule auch je nach Jahreszeit eine Rolle. Schließlich ist es ein Unterschied, ob das Zelt auch Schneelasten und stürmische Herbstnächte oder überwiegend die trockenen Sommertage aushalten muss.

Was unterscheidet Winter-, Dreijahreszeiten- und Sommermodelle?

Je nach Jahreszeit muss das Zelt unterschiedliche Herausforderungen bestehen. Im Hochsommer sind die Wetterbedingungen in der Regel milder, es fällt weniger Regen und auch heftige Stürme sind zumindest hierzulande eher selten in dieser Zeit. Bei besonders warmen Nächten reicht sogar häufig ein Einwandzelt oder das gut belüftete Innenzelt, sofern es sich separat aufbauen lässt. Auch das Tarp kommt wohl überwiegend im Sommer zum Einsatz.

Wer von Frühjahr bis Herbst nicht aufs Zelten verzichten möchte, sollte ein Modell wählen, das die verschiedenen Anforderungen der unterschiedlichen Jahreszeiten abdeckt. Es sollte für die wechselhaften Frühjahrs- und Herbstmonate eine ausreichende Wassersäule und Windstabilität besitzen. Für die heißeren Tage ist ein atmungsaktives Innenzelt, Moskitoschutz und eine geeignete Belüftung unverzichtbar. Die meisten Zelte werden wohl zu dieser Kategorie zählen.

Wer ein Zelt für alle Jahreszeiten, also auch für den Winter möchte, sollte darauf achten, dass es ein paar zusätzliche Features besitzt. So sind beispielsweise Snowflaps (oder Schneefang) unverzichtbar, damit auch bei stärkerem Schneetreiben die Flocken zuverlässig draußen bleiben. Wenn du richtig eingeschneit wirst, muss dein Zelt schwerere Lasten stemmen können, weshalb vor allem stabile Kuppelzelte und Geodäten geeignet sind. Eine oder mehrere Hochentlüftungen sollten ebenfalls vorhanden sein, damit überschüssige Feuchtigkeit und stickige Luft auch unter einer Schneedecke nach außen gelangen können.

Auf die Details kommt es an – welche Features du noch beachten solltest

Nachdem du nun herausgefunden hast, wie viele Personen in welcher Zeltform aus welchem Material übernachten sollen, können dir die vielen praktischen Features der unterschiedlichen Modelle die Entscheidung leichter machen. Bist du zum Beispiel zu zweit oder mit mehreren Leuten unterwegs, können mehrere Eingänge und Apsiden eine echte Erleichterung sein – jeder der schonmal nachts „raus“ musste und dabei über seinen Bettnachbarn zum Eingang klettern musste, kennt das Problem. Darüber hinaus sind mehrere Eingänge auch für eine schnelle Durchlüftung perfekt geeignet.

Die besten Lösungen gegen dicke Luft

Die richtige Belüftung spielt vor allem im Bezug auf die Bildung von Kondenswasser eine wichtige Rolle. Da im Inneren des Zeltes selbst im Sommer meist höhere Temperaturen herrschen als außen, kann sich auf der Innenseite des Außenzeltes schnell Kondenswasser bilden. Durch eine ausreichende Belüftung wird dieser Effekt reduziert. Eine Möglichkeit sind Hochentlüftungen, bei denen der Wasserdampf oben aus dem Zeltdach entweichen kann.

Diese Entlüfter sind in der Regel mit einer wassersichten Überdeckung versehen, damit nicht statt Kondenswasser Regenwasser ins Innere gelangen kann. Ein Innenzelt mit einem hohen Anteil an Meshgewebe schützt nicht nur vor Moskitos, sondern sorgt ebenfalls für eine gute Belüftung. Manche Modelle haben zusätzliche Fensterklappen eingebaut, die ein Maximum an Belüftung herausholen können. Nachteil dieser Konstruktionen ist das zusätzliche Gewicht, was durch die Verschlüsse und das zusätzliche Material der Klappen anfällt.

Der Aufbau: Erst innen, dann außen oder doch lieber umgekehrt?

Ein weiteres Entscheidungskriterium kann die Aufbauweise deines Zeltes sein. Je nach Aktivität sind verschiedene Lösungen sinnvoll. Wer mit dem Rucksack über eine längere Zeit hinweg unterwegs ist, kann von den Modellen profitieren, bei denen das Innenzelt lose eingehängt ist. Sollte es zum Beispiel auch dann noch regnen, wenn die Zeit zum Zeltabbau gekommen ist, kannst du deine Ausrüstung und das Innenzelt im Schutze des wasserdichten Außenzelts abbauen und die nasse Außenplane separat verstauen und später trocknen. Sollte dies nicht nötig sein, lassen sich Innen- und Außenzelt in einem Schritt aufbauen, da das Innenteil meist auch beim Abbau mit der Außenplane verbunden sein kann. Bei diesen Modellen wird das Gestänge häufig außen am Außenzelt angebracht.

Bist du hingegen überwiegend bei schönem Wetter unterwegs, sind solche Modelle von Vorteil, bei denen das Innenzelt zuerst aufgebaut ist. In trockenen, warmen Nächten kannst du es so beim luftigen Innenzelt belassen und auf die Außenplane verzichten. Die Außenplane wird in diesen Modellen nach dem Aufbau des Innenzeltes einfach übergeworfen und meist durch Schlaufen am Gestänge befestigt.

Die Frage, was zuerst aufgebaut wird, entfällt bei den sogenannten Einwand-Zelten. Diese Form besitzt nur ein Außenzelt und ist gewissermaßen der Kompromiss aus Tarp und Zelt: Minimales Gewicht, einfacher Aufbau aber dennoch ein Rundum-Schutz vor Wind, Wetter und Insekten.

Damit dein Zelt bei der Stange bleibt: welches Gestänge ist wofür geeignet?

In fast allen Zelttypen werden zwei unterschiedliche Gestängetypen verwendet: Fiberglas oder Aluminium. Wie bei allen anderen Dingen gibt es auch hier vor und Nachteile. Fiberglas ist bedeutend günstiger, kann jedoch schneller splittern oder brechen. Aus diesem Grund gibt es Varianten, die mit einer Art Netzkonstruktion ummantelt sind und dadurch besser gegen Brüche und Risse geschützt sind.

Hochwertiger ist jedoch Gestänge aus Aluminium. Das leichte Metall ist deutlich leichter und trotzdem robuster als Fiberglas und wird besonders gerne für hochwertige Ultraleicht-Zelte verwendet. Absolute Spitzenreiter in diesem Bereich sind die Gestänge von DAC, die in verschiedenen Stärken und in verschiedenen Legierungen verfügbar sind. Diese Stangen sind unvergleichlich leicht und lassen sich hervorragend biegen, ohne Formverlust oder Bruchrisiko. Meist handelt es sich dabei um eloxiertes Aluminium, das besonders robust und langlebig ist.

Mach dir dein Zeltabenteuer leichter mit dem passenden Zubehör

Auch wenn unsere Hersteller in der Regel bereits hochwertiges Zubehör mitliefern, gibt es ein paar Kleinigkeiten, mit denen du das Beste aus deinem Zelt herausholen kannst. Vor allem Ultraleicht-Wanderer können noch einiges an Gewicht einsparen, wenn sie das Zubehör wie Heringe, Abspannleinen und Planen an ihre Bedürfnisse anpassen. Heringe aus Titan sind dabei zum Beispiel die leichteste und dabei robusteste Variante, aber auch Heringe aus Aluminium zeichnen sich durch ihr leichtes Eigengewicht aus. Unabhängig vom Material gibt es außerdem verschiedene Heringsformen, die für unterschiedliche Böden geeignet sind. Breite Heringe mit V- oder Y- Profil haben eine breitere Auflagefläche und bieten dadurch auch in weichem Wiesengrund oder sandigen Böden sehr guten Halt. Für steinigen Untergrund sind Zeltnägel hingegen sehr gut geeignet.

Jeder, der schon einmal im Dunkeln über einen Zeltplatz gelaufen ist, kennt die gemeinen Stolperfallen der Abspannleinen. Gegen unfreiwillige Stunts in der Nacht helfen reflektierende Anhänger oder fluoreszierende Abspannleinen. Fluoreszierende Reißverschlusszipper können ebenfalls eine hilfreiche Anschaffung sein, wenn sich die Taschenlampe einmal nicht finden lässt und du keine Lust hast, das gesamte Zelt nach der Öffnung abzutasten. Für die Abspannleinen gibt es verschiedene Leinenspanner, mit denen du die Befestigung des Außenzeltes ein Stückchen komfortabler und sicherer gestalten kannst.

Um die Heringe einfacher in den Boden zu treiben und wieder herauszuziehen, gibt es unterschiedliche Hammer-Varianten, die häufig mit einem Haken zum Entfernen der Heringe ausgestattet ist. Da im Vorzelt meist keine Bodenplane vorhanden ist, empfiehlt sich ein passender Footprint, der deine Ausrüstung schützt und dir erlaubt, im Trockenen zu sitzen. Diese Bodenplanen werden meist von den Herstellern passgenau für die jeweilige Form des Vorzeltes angeboten. Bei Zelten mit einem besonders leichten, aber auch empfindlichen Bodenbereich, kann eine Bodenplane auch als zusätzlicher Schutz vor Steinen, trockenen Gräsern oder anderen spitzen Gegenständen eingesetzt werden. Wer nur eine kleine Apsis und kein Vorzelt besitzt, kann häufig auch dieses separat erwerben. So lässt sich zum Beispiel das einfache Kuppelzelt um einen Stauraum oder Aufenthaltsort für Schlechtwetterfronten erweitern.

Und zu guter Letzt: Trotz aller Vorsicht kann es dazu kommen, dass eine Stange bricht, das Gummiseil im Inneren des Gestänges reißt oder ein Loch die Zeltwand beschädigt. Hierfür gibt es verschiedene Reparatursets, damit du deine Tour nicht zwingend abbrechen musst, sondern die nötigsten Reparaturen auch unterwegs durchführen kannst.

Fazit:

Um das geeignete Zelt zu finden, solltest du dir also folgende vier Fragen stellen: Schlafe ich alleine oder werden mehrere Personen untergebracht? Welche Zeltform passt zu meinen Bedürfnissen? Welche Materialien sind für meine Einsatzzwecke am besten geeignet? In welchen Jahreszeiten will ich zelten? Die passende hochwertige Antwort auf diese Fragen bieten dir unsere zahlreichen Hersteller, die sich vor allem durch jahrelange Erfahrung, Materialien in höchster Qualität und gut durchdachte Konstruktionen auszeichnen. So erhältst du langjährige Begleiter für all deine Reisen, die hoffentlich schon bald viele interessante Geschichten zu erzählen haben.

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