42 km Mammutmarsch durch die Nacht im Ruhrgebiet
Der Veranstalter Mammutmarsch veranstaltet seit 2006 Wanderevents in Deutschland und Europa mit meist 30 bis 100 km Streckenlänge. Wir haben uns einen 42 km langen Nachtmarsch durchs Ruhrgebiet ausgesucht und wollten einmal testen, wie sehr uns die Müdigkeit und die Länge der Strecke an unsere Grenzen bringt.
Vorbereitung und Gepäck für den Mammutmarsch
Wer noch nie einen solchen Marsch bzw. eine solche Wanderung absolviert hat, sollte vorab einmal mindestens die Hälfte der Strecke als Probetour laufen. So lässt sich ganz gut einschätzen, ob man nach einer entsprechenden Pause dazu in der Lage wäre, die gleiche Strecke noch einmal zu bewältigen.
Natürlich ist auch ein großer Teil Kopfsache und Durchhaltevermögen, aber auch der Körper sollte sich auf so eine Belastung einstellen können. Wer zum ersten Mal läuft, sollte sich nicht hetzen lassen, ausreichend Pausen einlegen und nicht zu schweres Gepäck auf dem Rücken tragen.
Viel Gepäck ist für einen solchen Marsch ohnehin nicht nötig. Das absolute Muss sind eingelaufene Wanderschuhe und bequeme Socken. Wir haben für mehr Komfort auch noch ein Paar Wechselsocken im Gepäck. Durch den Nachtmarsch ist auch eine Stirnlampe nötig sowie eine wärmende Jacke für die Pausen.
Ausreichend Wasser, ein Becher für die Verpflegungsstationen und ein paar Snacks haben wir ebenfalls mit dabei und da die Wettervorhersage nicht besonders gut aussah, haben wir uns mit Schirm und Regenrock ausgestattet. Für unsere Wertsachen sind noch wasserdichte Packsäcke im Rucksack und auch wenn wir sie am Ende nicht gebraucht haben, hatten wir für alle Fälle noch eine Powerbank und Ladekabel dabei.
Dazu gab es je nach individueller Packliste noch optionales Gepäck wie ein faltbares Sitzkissen, Trekkingstöcke, Blasenpflaster oder Mückenspray.
Anreise und Start in Duisburg
Die Anreise fand in unserem Fall mit dem Auto statt und es gab wenige Minuten vom Startpunkt entfernt große Parkplätze mit genügend freien Stellplätzen. Den Start- und Zielort am Sinterplatz in Duisburg haben wir nach einem kurzen Fußmarsch durch den Landschaftspark erreicht.
Schon von weitem erkennt man den großen Windenergieturm und zwischen Amphitheater und Bunkergärten ist der weitläufige Startbereich aufgebaut. Das Gelände ist in verschiedene Lichtfarben getaucht, Pavillons mit Essen Trinken, Merch und natürlich der Anmeldung sind über den weiten Platz verteilt.
Ein gigantisches, aufblasbares Mammut für das Erinnerungs-Selfie darf natürlich auch nicht fehlen. Wir holen unsere Starterbändchen und das vorab bestellte T-Shirt ab und sammeln uns schließlich mit unserer Startgruppe um 20:40 Uhr im Startkanal. Trotz der vielen Teilnehmer herrscht kein Gedränge und ein entspanntes, rücksichtsvolles Miteinander.
Als das Startsignal ertönt, laufen wir in die Dämmerung hinein. Aber dank der zahllosen Lichterketten und Knicklichter, die hier fast jeder an seinem Rucksack trägt, können wir auch bei der aufziehenden Dunkelheit zunächst die Stirnlampe noch eingepackt lassen.
Von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang
Am Anfang ist es ein Gänsemarsch. Die Startgruppe teilen sich die Teilnehmer der 30 km und der 42 km Strecke. Wie so oft bei solchen Veranstaltungen ist es daher auch anfangs schwierig, das eigene Tempo zu finden. Man überholt und wird überholt, versucht Abstand und ein bisschen Freiraum zu gewinnen. Gar nicht so einfach auf den schmalen Wegen des inzwischen komplett unbeleuchteten Parks.
Aber nach ca. 3 km biegt die 30 km Wandergruppe ab und die Strecke leert sich.
Wir erreichen den Rhein-Herne Kanal mit dem beleuchteten Gasometer und damit auch die erste Pausenstation. Da wir hier aber erst 8 km hinter uns haben, belassen wir es bei einem schnellen Kaffee im Stehen (genau genommen einer Kombi aus Kaffee, Cola und Gewürzgurken) und ziehen weiter.
Wir folgen ungefähr weitere 10 km dem Kanal bis wir in Bottrop Batenbrock in Richtung des Tetraeder Denkmals abbiegen. Bisher verlief die gesamte Strecke mehr oder weniger eben, nun aber sehen wir uns mit 387 Treppenstufen konfrontiert. Auch wenn wir nach der Strecke durchaus warmgelaufen sind, ist es ein ganz schöner Kampf bis zur Aussichtsplattform, auf der aber glücklicherweise auch der nächste Verpflegungsspot eingerichtet ist.
Zeit für eine Pause, um die Füße zu entlasten und nach fast vier Stunden Marschzeit endlich einmal zu sitzen. Da fällt im Anschluss die letzte Treppe hinauf zum Tetraeder gar nicht mehr so schwer.
Wohngebiete, Wälder und wehe Füße
Nach einem letzten Blick über das nächtliche Bottrop führt der Weg im Zickzack Kurs wieder vom Aussichtshügel hinab. Abgesehen von ein paar beleuchteten Wohngebieten verläuft die Strecke nun immer häufiger durch stockdunkle Wälder und Parks. Wenn wir zwischendurch unsicher sind, ob wir noch auf der richtigen Strecke sind, können wir uns aber immer an den Lichterketten-Rucksäcken vor uns orientieren.
Am 20 km Schild ist nun fast die Hälfte geschafft und jetzt heißt es, weiter durchzuhalten, da der nächste Verpflegungspunkt erst bei Kilometer 32 auf uns wartet – und für eine Pause vorher sind wir zu stur.
Die Kondition reicht noch locker, die Müdigkeit hat sich noch gar nicht bemerkbar gemacht, aber mit jedem Schritt haben die Füße weniger Luft auf den Marsch. Die Sehnsucht nach einem Sitzplatz wird immer größer, aber wir ziehen weiter durch.
Wir lassen die Wälder und Parks hinter uns, durchqueren weitere Wohngebiete und entdecken schließlich von einer der zahlreichen Brücken aus wieder das Gasometer – inzwischen nicht mehr beleuchtet.
Nur noch das 30 km Schild passieren, ein kleines Stück am Kanal entlang und endlich warten die Pavillons und Sitzbänke auf uns. Die Füße haben eine längere Pause mehr als nötig und wollen sich noch nicht mit dem Gedanken anfreunden, noch weitere 10 km bis zum Ziel bestreiten zu müssen.
Inzwischen ist es 4:30 Uhr morgens, aber die Müdigkeit hat uns noch nicht eingeholt. Nach ein paar Snacks und Getränken lassen wir schließlich die Bänke wehmütig hinter uns und nehmen die finale Strecke in Angriff.
Der Letzte Teil und Ankunft im Ziel
Nun heißt es, durchbeißen. Immer häufiger begegnen wir erschöpften Wanderern am Wegesrand, die vom Abbruch sprechen. Man einer humpelt bereits, andere ziehen rasend schnell an uns vorbei mit den Worten "Ich will endlich ins Bett!". Die Gespräche verstummen langsam und jeder fokussiert sich nur noch aufs Durchhalten.
Die Kilometer auf der Sportuhr schreiten immer langsamer voran, als endlich die ersten Gebäude des Landschaftsparks in Sichtweite kommen. Die großen Industrieanlagen sind in bunte Lichter getaucht und auf einen der gigantischen Hochöfen ist ein großes Mammut projiziert. Kurz darauf erreichen wir das 40 km Schild und die Gewissheit, dass es bald geschafft ist!
Ein wenig gemein finden wir es schon, dass es kurz vor dem Ziel nicht wie bei der Anreise ebenmäßig durch den Park geht, sondern bergauf bis zu einer Anhöhe über dem Sinterplatz. Dort entschädigt uns aber die farbenfrohe Aussicht auf das Ziel.
Ein Empfangskomitee heißt uns lautstark am Ziel willkommen und jubelt uns zu. Für ein paar Sekunden sind die Schmerzen in den Füßen vergessen und wir lassen uns grinsend die Medaille umhängen. Geschafft! 42 km durch das nächtliche Ruhrgebiet mit zugegeben viel zu wenig Pausen.
Unser Fazit zum Nacht Mammutmarsch

Insgesamt fanden wir den Marsch sehr gut organisiert, zuverlässig beschildert und geprägt von einer rücksichtsvollen, hilfsbereiten und sympathischen Community. Von der Strecke war natürlich aufgrund der Dunkelheit nicht viel zu sehen, aber es gab einige farbenfrohe Highlights.
Wir hätten uns vielleicht noch ein, zwei kleinere Verpflegungsspots zwischendurch gewünscht, vor allem auf den langen, dunklen Wald- und Parkabschnitten. Insgesamt aber absolut empfehlenswert!
