Fastpacking Guide: Dein Ratgeber für den Einstieg
Als Anhänger:in des Ultraleichtwanderns wird man von den eher traditionell orientierten Wandersleuten auf Tour ja durchaus schon mal argwöhnisch beäugt. Vor allem wenn man mit Laufshorts, Trailrunnern und scheinbar viel zu kleinem Rucksack in der Weltgeschichte dort unterwegs ist, wo nach altem Wanderwissen knöchelhohe Stiefel, Zipphosen und 65+10 Liter Rucksäcke empfohlen werden.
Und stell‘ Dir jetzt vor:
Du machst das Ganze mit NOCH KLEINEREM Rucksack – IM LAUFSCHRITT. Offenstehende Münder, heruntergeklappte Kinnladen – Fastpacking, yeah!
Der Ehrlichkeit halber: wie viele der anderen „neuen“ Trends der letzten Jahre (ich sage nur Gravelbike…) gabs das Ding an sich eigentlich schon was länger und unter anderem Namen, bekam dann aber eine schicke englische Angebervokabel verpasst und fertig ist die allerneueste Outdooraktivität.
Wenn Du jetzt fragst: „Wasn das denn, hä? ‚Fastpacking‘?“, weil Du die letzten Monate in einer Höhle gelebt hast, dann erklärt Dir dieser Beitrag, was es damit auf sich hat, was Du dafür brauchst und wie Du Dich langsam ans Fastpacking herantastest, mit Ausrüstung für eine oder mehrere Nächte im Gepäck über Stock und Stein zu laufen.
Was ist Fastpacking?
Wer aufmerksam den Text gelesen hat, wird gemerkt haben, dass ich mich im letzten Absatz schon verplappert habe: Fastpacking ist eine Kombination aus Traillaufen und (UL)-Wandern, bei der Du alles dabei hast, was Du für eine Übernachtung (oder mehrere Übernachtungen) in Mutter Natur brauchst.
Ob Du dabei komplette Etappen läufst oder immer mal wieder in einen leichten Trab fällst, bergauf lieber normal gehst oder gegen die Steigung ansprintest, sei ganz Dir überlassen.
Damit das mit dem Laufen auch funktioniert, sollte besagte Ausrüstung natürlich so reduziert und so leicht wie möglich sein.
Wie fange ich damit an?
Natürlich spricht gar nichts dagegen, dass Du Dir den Rucksack belädst und sofort los fastpackst. Wenn Du bei den Orthopäd:innen in Deiner Nähe allerdings nicht mit schmerzendem Bewegungsapparat im Wartezimmer rumsitzen möchtest, solltest Du vorher ein paar Dinge bedenken und Dich langsam herantasten.
Ganz allgemein ist es sicherlich nicht verkehrt, wenn Du zumindest schon ein paar Kilometer am Stück joggen kannst oder vielleicht sogar Erfahrung im Traillaufen hast. Über Stock und Stein mit Gepäck laufen erfordert nämlich mehr als eine Runde im Park drehen. Fastpacking verlangt Ausdauer und Belastbarkeit im teilweise unwegsamen Gelände. Anforderungen an Kraft und (Gelenk)Stabilität sind höher.
Deswegen: Fitness aufbauen, Gewicht bei Übungsläufen langsam steigern, bevor es zum ersten Mal richtig los geht.
Welche Ausrüstung brauche ich dafür?!
Fastpacking lebt davon, nur das Nötigste dabeizuhaben. Leicht gesagt, schwer getan. Zum erst mal nur Ausprobieren eignet sich fast jeder kleinere Rucksack, den man einigermaßen fest an sich gezurrt bekommt. Ich bin schon mit meinem Gossamer Gear Murmur und meinem Tasmanian Tiger Essential Pack gelaufen und gehen tuts irgendwie auch.
Wenn Du aber ernsthaft darüber nachdenkst, mit Gepäck längere Strecken zu laufen, bleibt (zumindest meiner Meinung nach, in den diversen Foren Deutschlands werden über diese Frage sicherlich Freundschaften beendet) Dir nichts anderes übrig, als das mit einem „richtigen“ Laufrucksack oder zumindest einem sehr leichten Rucksack, der am besten sogar über ein Laufwesten-Tragesystem verfügt, zu tun.
Der sollte etwa 25-30 Liter Volumen haben, wenn Du wirklich alles dabei haben möchtest, was Du für Übernachtungen brauchst und nicht nur in den wärmsten Sommernächten unterwegs sein möchtest. Und natürlich nichts weglässt, was Deine Sicherheit kompromittiert.
Ich gehe mal davon aus, dass Du Dich zumindest schon ein klein wenig mit der Philosophie und Ausrüstung des Ultraleichtwanderns beschäftigt hast. Schließlich hast Du einen Artikel übers Fastpacken angeklickt.
Deswegen erspare ich mir (und euch) an dieser Stelle das ganz Offensichtliche des Gewichtreduzierens. Wer das Einmaleins des Ultraleichtwanderns noch nicht beherrscht, sei dieser Blogartikel zum Thema UL allgemein oder dieser Artikel zum konkreten Umstieg auf UL Ausrüstung von uns ans Herz gelegt.
Ganz allgemein könnte man für die Auswahl der Ausrüstung sagen: wenn Du zwischen zwei Ausrüstungsgegenständen schwankst, solltest Du Dich idealerweise immer für den leichteren entscheiden, falls mit der Gewichtsersparnis nicht ein deutlich größeres Packmaß einhergeht. Das ist bei vielen sehr leichten Zelten aus DCF leider der Fall: sie sind zwar leicht, aber in der Regel sperriger als Zelte/Tarps aus Nylon oder Polyester.
Eine Packliste fürs Fastpacken (inklusive Gewichtsangaben) könnte ungefähr so aussehen:
Rucksack und Schlaf-Set-Up:
| Rucksack | Rab Veil 30 | 516 g |
| Tarp | Liteway Simplex Mini | 238 g |
| Quilt | Liteway Simple 870FP M | 540 g |
| Matte | TAR X-Lite Next Reg | 381 g |
| Faltmatte | GG Folding Thinlight | 100 g |
| Gesamtgewicht | 1775 g | |

Ich entscheide mich gegen einen Kocher und stattdessen soake ich cold (d.h. leider morgens kein Heißgetränk…), bzw. wer es lieber auf Deutsch mag: ich weiche tagsüber bereits in kaltem Wasser ein, was ich abends essen werde.
Die hohe Kaloriendichte der Nahrung, die fürs Fastpacken benötigt wird, erreiche ich mit zusätzlichen Riegeln, Nussmischungen und ähnlichem, statt mich nur auf herkömmliche Trekkingnahrung zu verlassen. Dieses Zusatzfutter verschlinge ich meist in Bewegung oder bei kurzen Pausen. Vorteile: es bedarf dafür keines Wassers und ich kann damit zusätzlich locker ein paar Gramm und vor allem Packmaß sparen.
Ich wähle als cold-soak-Gefäß den Vargo BOT, weil er einen zuverlässig dicht verschraubbaren Deckel besitzt, so dass ich darin auch Wasser transportieren kann.
In die Kategorie „Küche“ nehme ich auch Wasseraufbereitung und -transport mit rein.
| Topf | Vargo Titanium BOT 700 | 138 g |
| Filter | Katadyn BeFree 500 ml | 72 g |
| Flasche | Cnoc HydriamX 42mm 500 ml (2x) | 68 g |
| Gewicht Essen/Wasserversorgung | 278 g | |
Als Kleidung am Körper eignet sich alles, was Du auch für sportliche Aktivitäten in der Freizeit anziehen würdest.
Zusätzlich nimmst Du noch mit:
| Regenjacke | Montbell Versalite M | 179 g |
| Isolation | Enlightened Equipment Torrid Jacket M | 275 g |
| Regenrock | Liteway Rain Skirt SIL M | 61 g |
| Gewicht Regenschutz/Isolation | 515 g | |
Sachen, die Du sonst noch dabei haben solltest:
| Stöcke | Leki Ultratrail FX.One Trailrunning (125 cm) | 340 g |
| Stirnlampe | Nitecore NU25 MCT UL | 46 g |
Addiere ich den ganzen Kram, komme ich auf etwas unter 3 Kilo für Ausrüstung. Dazu kommt natürlich noch das Gewicht von Essen und Wasser.
Eventuell entscheidest Du Dich bei Deinem Set-Up dazu, etwas wegzulassen, das mir wichtig ist oder etwas mitzunehmen, das in meiner Packliste nicht enthalten ist.
Fazit Fastpacking

Aber ganz ehrlich: am Ende ist Fastpacking weniger eine Frage der perfekten Ausrüstung als vielmehr einer Haltung: den Mut haben loszulaufen und sich auf das Wenige zu verlassen, das man im kleinen Rucksäckchen trägt.
Und dann zu merken, dass genau dieses Wenige völlig ausreicht. Wenn Du das einmal erlebt hast, wie es ist, mit leichtem Gepäck so durch die Landschaft zu laufen und abends irgendwo im Nirgendwo erschöpft und verschwitzt und glücklich den Tag ausklingen zu lassen. Fastpacking ist Freiheit in Bewegung.
Also: Rucksack packen, Schuhe schnüren und loslaufen.
