Ultraleicht ohne Unsinn, so findest Du das richtige Setup!

Siehe: Praxistipps Rss feed

Ultraleicht ohne Unsinn, so findest Du das richtige Setup!

Dirks Tipps für einen leichten Ruckack. Die allermeisten Menschen, die zu uns kommen, um das Gewicht ihrer Ausrüstung zu reduzieren, hatten vorher diesen einen Aha-Moment: das Set-up ist „eigentlich“ ganz ok, aber in der Summe schwerer als ihnen lieb ist. 
Kennste? Hmmm, aber wie raus aus dieser Misere…?! 
Wir befragen, wie anno 2026 üblich, das Internet und stellen fest: die eine Million UL-Ratgeber, die es online zu studieren gibt, halten eine Menge Tipps bereit, die alle etwas praxisfern daherkommen: „alles wiegen“, „Big Four“, „don’t pack your fears“, jaja, alles klar, grau ist alle Theorie. 
Aber wie wäge ich wirklich ab, was ich mir dazu kaufe, welche Entscheidungen ich vor einer Tour fälle und so weiter.
Der Umstieg auf leichtere Ausrüstung ist in den allermeisten Fällen kein kompletter Neustart, sondern ein schrittweises, nennen wir es mal: Abspecken. Das hat zwei offensichtliche Vorteile: erstens kann neue Ausrüstung im Kontext eines an sich funktionierenden Set-ups getestet werden, zweitens muss niemand eine Bank überfallen, um sich den ganzen Kram in einem Rutsch zu kaufen.

Don’t be stupid light!


Wir haben immer mal wieder Menschen bei uns, deren Auswahlkriterium für neue Ausrüstung allein das Gewicht und nur das Gewicht ist. Je leichter desto besser, am leichtesten am besten. Ist das so? Nicht immer.
Der obercoole Andrew Skurka hat für diese Gewichtsobsession den Begriff „stupid light“ geprägt. Er beschreibt diese Herangehensweise im Grunde als klassischen UL-Fehltritt: Man reduziert Gewicht so weit, dass das System schlimmstenfalls nicht mehr zuverlässig funktioniert, wenn es unbequem, kalt, nass oder anspruchsvoll wird. Dabei meint „funktionieren“ auch so simple Dinge wie Zeiteffizienz oder Verlässlichkeit. Leicht sein ist gut, aber nur, wenn das Setup weiterhin zu Tour, Wetter und eigener Erfahrung passt. 
Um zu zeigen, dass auch die Dudes und Dudettes von WalkOnTheWildSide dämliche Entscheidungen fällen, zwei (un-)schöne Beispiele für „stupid light“ aus meiner eigenen jüngeren Vergangenheit: einen Regenrock für eine Mehrtagestour mitnehmen, wenn wegen Dauerregens und Temperaturen um die 10 Grad eine Regenhose die deutlich bessere Wahl gewesen wäre. 
Oder den schwedischen Siljansleden im September nur mit einem DCF-Tarp zu laufen, statt ein sehr leichtes Einpersonenzelt mitzunehmen. Klar ist mein Tarp leichter, aber wegen dieser Entscheidung hatte ich mehrere Nächte, in denen mir Wind oder Regen (oder beides…) wichtigen, erholsamen Schlaf verunmöglicht hat. Die Entscheidung für ein Zelt hätte mir einige Tage des übellaunigen Wanderns mit verschwiemelten Augen erspart, zudem haben übermüdete Menschen ein signifikant höheres Risiko, sich zu verletzen. Die paar Gramm mehr hätten sich also bezahlt gemacht.
   

Gewicht sparen heißt nicht Komfort verlieren



Lasst mich in diesem Beitrag mal des Teufels Advokaten spielen, der gegen das allerleichteste Equipment argumentiert. Wie könnte so ein Auswahlprozess in der Praxis aussehen? Damit die ganze Sache nicht uferlos wird, beschränke ich mich auf die schwersten und größten Ausrüstungsgegenstände. Und natürlich ist meine Auswahl nur exemplarisch zu betrachten. 

Zelt



Beim Zelt entscheide ich mich für das MSR Freelite 2. Whaaat?! Wieso das denn?! Weil das Freelite 2 ein sehr guter Kompromiss ist! Es ist leicht genug (von uns nachgewogen mit 1044 g), dass ich es alleine tragen kann, dabei aber auch groß genug für zwei. Es sei denn, es ist ein veritabler Lulatsch wie der Herr Kollege dabei. Ich kann nur das Außenzelt als Quasi-Tarp mitnehmen, nur das Innenzelt als Insektenschutz. Das Freelite bietet genug Schutz für alles außer wirklich schlimmem Wetter. Klar ist ein Tarp leichter und ein Hilleberg bietet mehr Schutz bei 30 cm Neuschnee. Dafür haben aber Tarp und Hilleberg einen enger beschränkten Einsatzbereich, während ich das Freelite als Allround-Zelt für eine Menge Touren nutzen kann. Also: Check, Zelt.

Rucksack


Mein Rucksack wird, ich höre schon die Schnappatmung, der Exped Lightning 50. Das sind meine Gründe: erstens, wichtigster Grund überhaupt: der Exped Lightning ist einer der am besten aussehenden Rucksäcke auf dem Markt.
Zweitens ist er ein brutales Arbeitstier, absolut tauglich für alle Touren sommers wie winters, robust und ohne Schnickschnack, dabei leicht genug, um als Leichtgewichtsrucksack durchzugehen, obwohl man mit ihm bis zu 20 kg bequem tragen kann. 

Exped Lightning 50 im Detail

Gewusst?



Bilde ich den Quotienten aus dem Gewicht eines Rucksacks und dem Gewicht, das ich mit ihm tragen kann, erfahre ich, wieviel Gramm Rucksack ich für jedes Kilogramm Gepäck benötige. Beim Lightning sind das sensationelle 57 g. Beim Gossamer Gear Gorilla 50, ein sehr leichter Rucksack mit Tragegestell, 63 g und bei einem unserer leichtesten Rucksäcke, dem Elementum von Liteway immerhin noch 60 g. Der Exped bietet also am meisten (bzw. am wenigsten) Rucksack im Verhältnis zu dem Gewicht, das man damit tragen kann.) 
Dank der zickzackigen Kompressionsriemen an der Seite kann er sehr stark verkleinert werden und es spricht nichts dagegen, ihn sogar als Tagesrucksack zu benutzen. Einer für alles! Rucksack?! Check!

Schlafsystem



Beim Schlafsystem wirds zwar schon etwas komplizierter, aber wir schaffen das. Ich fälle bewusst keine Auswahl pro Schlafsack oder Quilt, sondern zeige euch meine Argumentationskette, die mich zum idealen Produkt für meine Bedürfnisse kommen lässt. Ich frage mich: liege ich auf dem Bauch? Auf der Seite? Bewege ich mich viel? Ja. Bin ich ehrlicherweise eher bei warmen Temperaturen unterwegs? Schon. Wie sehr fuckt mich die Vorstellung ab, dass es nachts zugig werden kann? Wenig oder gar nicht, alles klar: Quilt!

Oder bin ich einer dieser Menschen, die sich auf den Rücken legen und bewegungslos durchschlafen? Fummelige und nicht restlos selbst erklärende Dinge sind mir ein Graus? Ich möchte bis zum Kopf in flauschige Wärme eingemummelt sein? Nehme ich besser den Schlafsack.
Es ist realistisch anzunehmen, dass die Mehrheit meiner Touren weder bei deutlichen Minusgraden noch 30 Grad im Schatten stattfinden wird, ich also mit einem soliden Dreijahreszeiten-Schlafsack/Quilt den größten Teil damit abdecken kann. Ich suche einen, der auch mich Frostbeule bei Temperaturen um den Gefrierpunkt noch warm hält und einen langen Reißverschluss hat, damit ich ihn in sehr warmen Nächten weit öffnen kann. Der Schlafsack meiner Wahl ist der Pajak Core 400, der in Nichts der Beste, aber in Vielem sehr, sehr gut, ergo: Allrounder ist. Ausreichend leicht  für Rucksacktouren (800 g Größe regular), ausreichend warm (Komfort 0 Grad) für die meisten Nächte, ausreichend groß, an Fuß und Kopf mit extra wasserabweisendem Material verstärkt (Tarpnutzung!) UND in Europa produziert. 
Suche ich einen Quilt, ist der Liteway Simple Quilt in der Daunenvariante meine erste Wahl (550 g in Größe m, Komforttemperatur ca. 0 Grad), weil er alle Vorteile eines Quilts gegenüber dem Schlafsack ausspielt, auch wenn seine Handhabung etwas weniger idiotensicher ist.

Bei der Wahl der Matte überlege ich ausnahmsweise nicht lange, sondern packe in mein Köfferchen die Nemo Tensor All-Season in der rechteckigen regular-wide Variante. Auch das eine echte Allround-Entscheidung. Die Matte ist warm (R-Wert von 5,4), robust (Oberseite 20D-, Unterseite 40D-Nylon) und vor allem ist sie für das, was sie bietet, immer noch sehr leicht, nämlich etwa 630 g. Die Matte kann ich für eine Menge meiner Touren nutzen. 
Ich weiß, dass eine schmale oder mumienförmige Isomatte leichter ist und für ein Männlein wie mich (179 cm 69 kg) auf dem Papier ausreichen sollte. Ich will aber nicht stupid light sein und mit meiner Lighterpack-Liste prahlen, sondern ordentlich pennen! Die rechteckige RW-Matte erlaubt mir das Zappeln, ohne dass meine langen Affenarme auf dem Boden liegen. Und wenn es mal etwas kälter wird, spüre ich nicht über den Rand einer nur 53 cm breiten Standardmatte die Kälte hochwabern. Beides hat erheblichen Einfluss auf meine Schlafqualität. Und die priorisiere ich in diesem Gedankenexperiment, nicht das minimal denkbare Gewicht.

Die beste Ausrüstung ist die, die zu Dir passt!



Bei den restlichen Ausrüstungsgegenständen gilt es ähnlich ehrlich an die Bedürfnisse heranzugehen. Du möchtest richtig kochen statt nur Wasser erhitzen für Deinen Napffrass? Dann ist der sehr leichte 750 ml Titantopf nicht ideal (und nicht: falsch!), Du latschst gerne mit schwerem Rucksack durchs Unterholz? Hol‘ Dir eine andere Regenjacke als die Montbell Versalite.
So oder so ähnlich können die Überlegungen aussehen, wie ich meine Ausrüstung punktuell leichter mache, ohne dass ich dabei nur die Gramm im Auge, sondern immer eine Praxistauglichkeit im Auge habe, die sich nicht nur auf ganz besondere Bedingungen beschränkt. 

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