Schlafsack oder Quilt – ultraleichte Schlafsysteme
Schlafsysteme für den Outdooreinsatz haben vor allem 2 Aufgaben: dir erholsame Nächte zu bieten und dein Gepäckgewicht nicht ans Limit zu treiben. Ob jetzt ein Schlafsack oder ein Quilt für deine Touren besser geeignet ist, hängt davon ab, was dir am wichtigsten ist.
Es lässt sich eben nicht pauschal sagen, dass Schlafsäcke immer wärmer oder Quilts immer leichter sind. Die Antwort ist etwas komplexer und wir zeigen dir anhand von einfachen, konkreten Produktbeispielen, welche Vor- und Nachteile es bei den unterschiedlichen Ansätzen gibt.
So kannst du ohne ewig lang Recherche über Materialien, Schnitte und Füllmengen eine gut informierte Entscheidung treffen und für dich das beste Schlafsystem zusammenstellen.
Keine Chance ohne passende Isomatte
Vorab aber noch ein wichtiger Punkt, den viele bei der Frage nach dem Schlaf Setup zu sehr vernachlässigen: die passende Isomatte! Sowohl der Schlafsack als auch der Quilt können ihren Temperaturbereich nur erreichen, wenn sie zusammen mit einer Isomatte mit passendem R-Wert genutzt werden. Dabei muss der R-Wert nicht nur zur erwarteten Außentemperatur passen, sondern spielt schon bei der Testung der Temperaturwerte eine Rolle.
Bei der Testung der genormten Temperaturwerte für Schlafsäcke wird eine Isomatte verwendet, die mindestens einen R-Wert von 5 besitzt. Wenn du mit einer Isomatte mit geringerem R-Wert unterwegs bist, kann es zwar sein, dass diese zur Bodentemperatur passt, aber dein Schlafsack seine Testwerte nicht erreicht.
Darüber hinaus kann der Test mit genormten Puppen nicht erfassen, wie gut der Schlafsack bei nächtlicher Bewegung isoliert oder wie sich individuelle Faktoren wie Größe, Gewicht, Muskulatur, Gesundheitszustand, etc. auf das Kälteempfinden auswirken.
Quilts werden ohnehin nicht nach EN Norm getestet und sind zudem vom individuellen Aufbau zusammen mit der Isomatte abhängig, sodass hier die Temperaturwerte noch schwieriger einzuschätzen sind.
Bedenke also bei der Auswahl der Temperatur für Schlafsack oder Quilt, ob deine Isomatte unter einem R-Wert von 5 liegt und den Komfortbereich dadurch beeinflussen kann.
Wie sind Schlafsäcke und Quilts aufgebaut?
Ein Schlafsack ist grundsätzlich bis zur Oberkante mit einem Reißverschluss verschlossen (seitlich oder obenliegend) und besitzt eine Kapuze.
Modelle für kältere Temperaturen haben außerdem einen Wärmekragen, der verhindert, dass am Halsbereich Wärme entweicht.
Schlafsäcke sind in Mumienform, Rechteckform und Eiform erhältlich. Schmalere Modelle sind in der Regel effizienter in der Wärmeleistung während locker geschnittene Modelle mehr Bewegungsfreiheit bieten, aber auch weniger effizient Wärme speichern.
Quilts verzichten auf die Kapuze und den durchgehenden Reißverschluss. Die Unterseite ist offen gehalten, damit du den Quilt um eine Isomatte herum festbinden kannst. Die Fußbox ist bei Quilts entweder geschlossen und fest vernäht oder kann mit einem kurzen Reißverschluss und Kordelzug geöffnet oder geschlossen werden.
Bei den Quilts sind in der Regel Befestigungsschnüre oder Bänder dabei. Manche Modelle können auch im Fußbereich komplett geöffnet und als Decke genutzt werden.
Und zu guter Letzt gibt es sowohl Schlafsäcke als auch Quilts sowohl mit synthetischer Füllung als auch mit Daunen.
Produktbeispiele Quilt aus Daune und Kunstfaser
Wir stellen einige beliebte Beispiele aus unserem Sortiment vor, die für Temperaturen zwischen 2°C und -3°C, also rund um den Gefrierpunkt geeignet sind und damit für den Sommer- oder 3-Jahreszeiten Einsatz.
Der Liteway Sleeper Quilt 870+ FP 10D für -2°C ist mit Daunen gefüllt, lässt sich sowohl als Decke als auch als Poncho nutzen und besitzt eine gut durchdachte, einfache Befestigung.
Die elastischen Bänder werden an der Isomatte fixiert und besitzen Knöpfe, die du entlang des Bandes verschieben kannst. Die am Quilt vernähten Schlaufen passen genau auf die Knöpfe, sodass du ihn schnell und einfach fixieren kannst. 544 g wiegt er in der regulären Größe, allerdings mit Meshbeutel und nicht mit einem Kompressionssack gewogen.
Eine etwas bessere Wärmeleistung am Fußbereich bietet der Simple Quilt für bis zu +1°C, der sich nicht zur Decke öffnet lässt, der aber auch noch etwas weniger Gewicht mitbringt. Ihn gibt es ebenso wie den Sleeper Quilt von Liteway mit Daunen oder Climashield Apex Füllung. In der Apex Version wiegt er (gewogen im Meshbeutel) in der regulären Größe 584 g.
Der Enlightened Equipment Enigma -1C Quilt mit Daunenfüllung wiegt 562 g (inklusive Packbeutel und Bänder). Das Enigma Modell besitzt eine geschlossene Fußbox, dadurch ein geringeres Gewicht als der Revelation Quilt, kann aber im Vergleich zu diesem nicht zur Decke komplett geöffnet werden.
Der Enlightened Equipment Revelation Apex -1C Quilt hat eine synthetische Füllung, lässt sich komplett zur Decke öffnen und wiegt 824 g in der regulären Größe – wieder mit Bändern und Packsack gewogen. Beide Modelle haben praktische Befestigungsbänder mit flachen Steckschließen bekommen.
Der Western Mountaineering AstraLite Top Quilt wiegt 510 g (nur Quilt mit Bändern) in der regulären Größe und deckt aber einen Temperaturbereich bis -3°C ab.
Ähnlich wie der Enigma Quilt hat er elastische Bänder zur Befestigung und eine geschlossene Fußbox. Durch die einzigartig hohe Daunenqualität von WM lässt sich der Quilt winzig klein komprimieren.
Wie sich hier zeigt, sind die Daunenquilts die leichtesten Modelle, wenn Temperaturbereich und Konstruktion mit einbezogen werden.
Produktbeispiele Schlafsack Daune und Kunstfaser
Besonders leicht sind hier auch die Modelle mit Daunenfüllungen. Der Western Mountaineering SummerLite liegt in Regular bei 540 g (ohne Packsack) und macht dadurch sogar manchen Quilts Konkurrenz. Allerdings ist er auch "nur" bis 0°C im Limitbereich geeignet.
Der Sea to Summit Spark -1C setzt noch einen drauf und wiegt bei einer Wärmeleistung mit -1°C Limitbereich gerade einmal 502 g in der regulären Größe (ohne Packsack).
Und Gewinner in dieser Gewichtsklasse ist der Pajak Radical 1Z, der für seinen Limitbereich von 0°C nur 466 g Gewicht in der regulären Größe mitbringt. Alle drei Modelle haben aber gemeinsam, dass sie auch preislich in der obersten Liga mitspielen.
Der Kunstfaserschlafsack Wechsel Wildfire 0° wiegt zwar 1,15 kg in Größe M, ist dafür aber auch besonders preiswert und hat einen Limitbereich von 0°C, wie sein Name bereits verrät.
Im Vergleich zu vielen anderen Synthetik Schlafsäcken gehört er schon zu den leichteren, auch wenn er natürlich nicht an einen daunengefüllten Schlafsack herankommt.
Der Mountain Equipment Lunar II Kunstfaserschlafsack schafft mit einem Gewicht von 1,2 kg einen Limitbereich von -2°C und lässt sich schön klein verpacken. Auch hier sticht vor allem der günstige Preis positiv hervor.
Zu guter Letzt fehlen nur noch die eiförmigen, breiteren Schlafsäcke im Vergleich.
Beispiele für Schlafsäcke in Eiform und Deckenform
Der Carinthia G200 Q Deckenschlafsack reicht bis zu einem Limitbereich von -1,3°C und bietet wie alle rechteckigen Modelle eine verbesserte Beinfreiheit und die Option, ihn komplett zur Decke zu öffnen. Dafür fallen allerdings auch 2,03 kg an Gewicht an. Die Daten beziehen sich hierbei allerdings auf die längere Größe.
Der Warmpeace Spacer 300 Daunenschlafsack reicht bis 0° im Limitbereich und wiegt dabei in der regulären Größe 736 g (plus 66 g Packsack). Der Fußbereich ist noch etwas schmaler gehalten für verbesserte Wärmeleistung, während um den Körper herum ordentlich Bewegungsfreiheit bleibt.
Und zu guter Letzt bietet der Western Mountaineering Dreamlite ist im Hinblick auf das Verhältnis von Wärmeleistung zu Gewicht und vielseitiger Nutzung der Spitzenreiter. Er deckt einen Temperaturbereich bis 2°C ab (Herstellerangabe, kein Limitbereich! Meistens bewegen sich die WM-eigenen Werte zwischen Komfort und Limit), wiegt dabei nur 728 g inklusive Kompressionssack und lässt sich komplett zur Decke öffnen.
Was kann der Schlafsack besser als der Quilt?
Der Schlafsack hat vor allem zwei Vorteile:
Erstens, dass der Temperaturbereich mit einem genormten Testverfahren ermittelt werden kann und trotz Einschränkungen (siehe Einleitung oben) einen guten Anhaltspunkt gibt, welche Temperaturbereiche realistisch sind. Auch die Unterteilung in Komfort und Limit bietet weitere Informationen, mit denen du die passende Temperatur Range für dich herausfinden kannst.
Zweitens sind keine besonderen Kenntnisse oder Skills nötig, um dem Schlafsack seine Wärmeleistung abzuringen. Du brauchst lediglich eine dazu passende Isomatte, den Rest erledigt die geschlossene Konstruktion mit Reißverschluss, Wärmekragen und Kapuze.
Schlafsäcke werden vor allem bei Touren in kalten Temperaturen oft bevorzugt, da sie weniger Eigenleistung zum Erreichen der Temperaturen erfordern und in allen Details auf maximale Isolation und minimale Kältebrücken ausgelegt sind.
Wann ist der Quilt im Vorteil?
Sind Materialien und Füllung bei Schlafsack und Quilt annähernd gleich, bietet der Quilt immer ein geringeres Gewicht, da auf Kapuze, Wärmekragen, langen Reißverschluss und geschlossene Unterseite verzichtet wird.
Für viele ist die Kombination aus Bewegungsfreiheit unterm Quilt und leichtem Gewicht ein großer Pluspunkt sowie die häufig vorhandene Doppelnutzung als Decke (manchmal auch als Poncho). In diesem Fall ist der Quilt flexibler nutzbar als der klassische Mumienschlafsack.
Quilts sind für viele Outdoorer eine passende Alternative bei gemäßigten Temperaturen, also maximal einstellige Minusgrade. Da die minimalistischen Quilts auch ohne extrem hohe Preise ein niedriges Gewicht erreichen können, sind sie für die ultraleichte Ausrüstung besonders interessant. Und eine kompromisslose Wärmeleistung ist für einige in milderen Nächten nicht so ausschlaggebend, wie Gewicht, Packmaß und Vielseitigkeit.
Entscheidungshilfe Schlafsack oder Quilt
Welche Fragen kannst du dir also stellen, um herauszufinden, ob ein Quilt oder Schlafsack besser zu dir passt?
- 1. Welchen Temperaturbereich musst du abdecken?
- 2. Wie wichtig sind Gewicht und Packmaß?
- 3. Wie viel Bewegungsfreiheit brauchst du?
- 4. Auf welcher Isomatte schläfst du?
Zu Frage 1: Wenn du in kalten Temperaturen unterwegs bist und nicht nur in Sachen Komfort, sondern auch aus Sicherheitsgründen auf einen zuverlässigen Wärmespeicher in der Nacht angewiesen bist, ist vermutlich der Schlafsack die bessere Wahl.
Bei einem Quilt besteht das Risiko, dass ein nicht ganz optimaler Aufbau Kältebrücken verursacht und zudem musst du selbst den Kopfbereich mit einer Mütze oder einer Daunen-Balaklava warmhalten.
Zu Frage 2: Wenn das geringste Gewicht und das kleinste Packmaß für dich an erster Stelle stehen, sind Quilts (vor allem Daunenquilts) oft die bessere Lösung.
Wenn du das geringste Gewicht und Packmaß bei Schlafsäcken suchst, wirst du bei hochkarätigen Modellen von Western Mountaineering fündig, die allerdings auch im hochpreisigen Segment liegen.
Zu Frage 3: Wenn Bewegungsfreiheit für dich keine Rolle spielt, ist ein klassischer Mumienschlafsack optimal für maximale Wärmeleistung.
Wenn du dich schnell eingeengt fühlst, sind entweder Quilts oder Schlafsäcke in Eiform oder extra breiter Ausführung besser geeignet. Letztere sind jedoch die schwerste Variante.
Seitenschläfer sind außerdem bei Quilts besser mit den weiten Ausführungen aufgehoben, da sie sich hierin nachts drehen können, ohne dass ein zu eng gespannte Quilt bei der Drehung angehoben wird und so die Wärme nach außen gelang.
Zu Frage 4: Wenn du lieber auf Schaumstoffmatten schläfst, sind Quilts je nach Modell und Befestigungssystem nur eingeschränkt geeignet. Bei der Befestigung kann es vor allem bei dünnen, flexiblen Mattenmodellen passieren, dass die Quiltbänder die Unterlage seitlich zusammenziehen und dadurch einfalten.
Fazit Schlafsack oder Quilt
Die leichteste, aber preislich auch teuerste Lösung ist ein daunengefüllter Quilt oder Daunenschlafsack. Unempfindlicher, aber auch etwas schwerer sind Quilts mit Kunstfaserfüllung, während in Sachen Gewicht die geschlossenen Schlafsäcke mit Kunstfasern am schwersten abschneiden – aber auch die preiswerteste Lösung sind.
Überlege, ob du lieber die Komplettlösung Schlafsack bevorzugst, bei dem du in der Regel nur den Reißverschluss zuziehst und sofort schlafen kannst. Lediglich der Wärmekragen und die Kapuze müssen je nach Temperatur noch etwas fester zugezogen werden.
Dafür trägst du verglichen mit den meisten Quilts aber auch mehr Gewicht im Rucksack. Frage dich umgekehrt vor der Wahl eines Quilts, ob das Zusammenbauen von Isomatte und Quilt und der eigenständige Aufbau einer möglichst geschlossenen Form am Ende des Tages die Gewichtsersparnis und bessere Bewegungsfreiheit Wert ist.
