Ich packe meinen Rucksack…
…und nehme mit: Ja, was eigentlich? Bei Touren über mehrere Wochen oder sogar Monate ist nicht nur mehr Gepäck, sondern vor allem anderes Gepäck nötig, als bei Tagesausflügen und kürzeren Wegen. Je nach Reiseziel und Jahreszeit ist dafür natürlich eine unterschiedliche Ausrüstung erforderlich.
Bei den Tipps und bei dieser Packliste geht es ganz allgemein um Fernwanderungen mit Zelt, die in den milderen Jahreszeiten, also abseits von Schnee, Frost und Minusgraden stattfinden. Fernwanderung meint hierbei die Touren ab einer Woche Dauer aufwärts, die nicht nur durch die Wildnis fernab jeglicher Zivilisation führen. Für den Umfang des Gepäcks spielt es schließlich eine Rolle, ob du hin und wieder einkaufen, Wäsche waschen oder Trinkwasser auffüllen kannst.
Unsere Angaben sollen dabei als Orientierung dienen und bilden die grundsätzliche Basis für eine Wander- oder Trekkingausrüstung, die von Person zu Person und von Reise zu Reise natürlich leicht anders ausfällt. Was für den einen unverzichtbar ist, wird von dem anderen als unnötiger Ballast aus der Packliste gestrichen.
Falls du die ausführlicheren Informationen überspringen willst, findest du hier die allgemeine Checkliste zum Ausdrucken, die du nach deinem individuellen Bedarf ändern und ergänzen kannst. Tourenspezifische Packlisten und detaillierte Erläuterungen zu den unterschiedlichen Materialien und Produkten findest du in den weiteren Blogartikeln der Kategorie Outdoor Ausrüstung.
Die Grundausstattung
Eine Fernwanderung mit Zelt folgt in der Regel einem einheitlichen Schema: Wandern, Essen, Waschen, Schlafen. Entsprechend ergibt sich eine Grundausstattung, die diese wichtigsten Bereiche abdeckt.
Wandern
Während der Tour werden vor allem der Rücken und die Füße beansprucht. Daher sind ordentliche Wanderschuhe und ein optimal sitzender Rucksack die wichtigste Grundlage, um halbwegs entspannt am Ziel anzukommen.
Je nach Dauer der Wanderung und je nach Umfang deiner Ausrüstung ist hierfür ein Rucksack zwischen 40 Litern und 60 Litern Volumen empfehlenswert. Absolute Minimalisten können natürlich auch weniger mitnehmen, bei anspruchsvollen Expeditionen kann auch mehr Volumen erforderlich sein.
Der Rucksack muss dabei nicht nur ausreichend Volumen bieten, sondern vor allem perfekt passen. Dafür ist die Wahl der richtigen Rückenlänge wichtig, da nur so das Gewicht auf die Hüfte, die Beinmuskulatur und den Rücken verteilt werden kann, ohne die Schultern zu belasten. Bei der Wahl deines Wanderrucksacks sollte demnach immer die Passform und der Sitz statt nur das Eigengewicht entscheiden.
Schlafen
Bei einer Fernwanderung ohne Hostels und Herbergen sind Zelt, Isomatte und Schlafsack (oder Quilt) für einen erholsamen Schlaf unverzichtbar.
Dank der immer weiter fortschreitenden Produktentwicklungen gibt es inzwischen eine große Auswahl an Zelten für ein bis zwei Personen etwa 1-1,5 kg wiegen und trotzdem nicht den beengten "Dackelgaragen"-Charakter haben.
Isomatte und Schlafsack müssen einen ausreichenden Temperaturbereich abdecken, damit du in der Nacht nicht frierst. Ein Quilt bringt noch weniger Gewicht mit, ist allerdings mit etwas mehr Aufwand verbunden, wenn die Wärmeleistung erreicht werden soll.
Luftgefüllte Isomatten wiegen in der Ultraleicht-Version etwa 500 g (für leichte Minusgrade) und wer sich mit dem brettartigen Komfort einer Schaumstoffmatte anfreunden kann, der kann das Gewicht noch erheblich reduzieren.
Hochwertige Schlafsäcke und Quilts mit Daunen- oder Kunstfaserfüllung sind in der Sommervariante schon mit einem Eigengewicht um die 500 g, in der 3-Jahreszeiten Variante schon mit einem Gewicht zwischen 500 g und 1 kg zu haben.
Essen und Trinken
Für die täglichen Mahlzeiten und den morgendlichen Kaffee sollten entsprechend ein Kocher und das dazugehörige Geschirr im Gepäck sein, falls du nicht ausschließlich auf Campingplätzen mit Einkehrmöglichkeit und Lebensmittelläden zeltest.
Hochwertige Gaskocher und Spirituskocher bringen dabei selbst nur wenige Gramm auf die Waage und sind trotzdem extrem leistungsstark. Wer bei seiner Outdoorküche noch mehr Gewicht sparen will, findet eine große Bandbreite an Topfsets aus Titan, Alu oder Edelstahl, die gleichzeitig auch als Essgeschirr dienen können. Essgeschirr und Besteck ist darüber hinaus ebenfalls aus den leichten Metallen, aber auch in Kunststoff-Versionen erhältlich.
Unterwegs wie am Ziel darf auch die Versorgung mit Trinkwasser nicht fehlen. Vor allem bei körperlicher Anstrengung ist eine regelmäßige Flüssigkeitszufuhr enorm wichtig, um fit und leistungsfähig zu bleiben. Hierbei scheiden sich die Geister: Manch einer schwört auf Trinkflaschen, für andere sind Trinkblasen im Inneren des Rucksacks das Nonplusultra. Was auch immer du bevorzugst: Hauptsache, du hast einen ordentlichen Vorrat dabei.
Ein weiterer großer Bereich, der ebenfalls zur Grundausstattung gehört, ist die passende Outdoor Bekleidung.
Die Bekleidung
Bei Fernwanderungen macht sich das Zwiebelsystem am meisten bezahlt, da so mit möglichst wenigen Einzelteilen eine große Bandbreite an Temperaturbereichen abgedeckt werden kann. Ein flexibles System ist wichtig, da bei Touren über lange Distanzen hinweg das Wetter schließlich nicht unbedingt präzise vorhersagen lässt.
Falls du im Frühjahr oder Herbst noch kühlere Temperaturen erwartest, bildet lange Funktionsunterwäsche die Basis deines Schichtsystems. Darüber kommen Shirts oder Longsleeves und eine isolierende Schicht, die je nach Klima unterschiedlich dick ausfallen muss.
Da es jedoch auch im Sommer morgens und abends noch kühl werden kann und da der Körper nach einer anstrengenden Wanderung nicht mehr so gut "aufheizen" kann, ist auch hier eine Isolierschicht von Vorteil wie zum Beispiel ein dickeres Fleece oder eine dünne gefütterte Jacke mit Kunstfasern oder Daune.
Statt zu den langen Wanderhosen ein extra Paar Shorts einzupacken, machen Zip-Off Hosen oder Modelle mit Befestigung zum Hochkrempeln Sinn. Unverzichtbar sind mehrere Paare gut dämpfender und schnelltrocknender Wandersocken, da die Füße schließlich einen großen Teil der Arbeit erledigen. Eine Kopfbedeckung, sei es zum Schutz vor Regen oder vor der Sonne, ist auf den meisten Strecken eine ebenso sinnvolle Ergänzung wie ein leichter Schlauchschal.
Wie viele Teile du von der jeweiligen Bekleidungssorte einpackst, hängt davon ab, wie du deine Tour gestalten möchtest. Mit mehr Bekleidung im Gepäck wird der Rucksack schwerer, das Wandern anstrengender, aber dafür das Etappenende entspannter, da du nicht zwingend jeden Tag Wäsche waschen musst. Mit weniger Kleidung bist du unbeschwerter unterwegs, musst jedoch häufiger waschen.
Ein besonderer Bereich der Bekleidung ist schließlich noch der Regenschutz.
Der Regenschutz
Auf jeder längeren Tour wirst du vermutlich früher oder später mit Regenschauern zu kämpfen haben. Hierfür gibt es verschiedene Varianten, die jeweils ihre eigenen Vor- und Nachteile haben.
Immer beliebter wird die Kombi aus Regenrock, ultraleichtem Trekking Regenschirm und ggf. noch wasserdichten Gamaschen. Dadurch kann das Gewicht reduziert und die Atmungsaktivität erhöht werden. Wird der Schirm am Rucksack befestigt, hast du sogar die Hände frei.
Der Klassiker ist die Kombination aus Regenjacke, Regenhose und Regenhülle für den Rucksack. Bei der Wahl der H
ardshelljacke gilt es, darauf zu achten, dass sie auch für den langfristigen Einsatz mit Rucksack geeignet ist.
Der Regenponcho deckt hingegen dich zusammen mit dem Rucksack ab und ist häufig so lang geschnitten, dass auch die Regenhose überflüssig wird.
Dafür ist es vor allem mit großen Rucksäcken nicht so einfach, ihn ohne Hilfe überzuziehen (viele behelfen sich damit, dass sie erst den Poncho anziehen und anschließend erst den Rucksack darunter).
Außerdem sind die Ponchos weit geschnitten und bieten so dem Wind eine größere Angriffsfläche.
Wenn du nun also deine Grundausstattung, die Bekleidung und den Regenschutz zusammengestellt hast, fehlt nur noch der nützliche Kleinkram des Outdoor Lebens.
Kleinkram
Schon beim Kulturbeutel und dem dazugehörigen Inhalt lässt sich einiges an Gewicht sparen, ohne auf Komfort zu verzichten. Den Kulturbeutel selbst gibt es in den unterschiedlichsten Größen aus ultraleichten Materialien.
Statt Shampoo, Duschgel, Waschmittel und Spülmittel einzupacken, macht bei längeren Touren ein Waschkonzentrat Sinn, das alle Funktionen abdeckt und so konzentriert ist, dass selbst eine kleine Flasche für lange Zeit reicht. Viele dieser Konzentrate sind zudem biologisch abbaubar und auch in natürlichen Gewässern nutzbar.
Wenn du lieber deine gewohnten Pflegeprodukte mitnehmen und unterwegs auffüllen möchtest, kannst du auf eine große Bandbreite an leichten Flaschen und Flaschensets in unterschiedlicher Größe zurückgreifen. Eine erhebliche Erleichterung sind außerdem die Reisehandtücher aus Mikrofaser, die außerdem bedeutend schneller trocknen als die herkömmlichen Varianten und dabei nicht so viel Platz wegenehmen.
Ein Taschenmesser sollte ebenso wie eine Stirn- oder Taschenlampe bei jeder Tour dabei sein und auch ein kleines Set mit Reparaturmaterialien wie Sicherheitsnadeln, Schnüren oder Flicken ist hilfreich, falls unterwegs das Zelt, die Matte, die Regenjacke oder andere Ausrüstung beschädigt wird.
Für deine elektronischen Geräte und Wertsachen gibt es leichte, strapazierfähige Taschen und Börsen. Und schließlich sollte je nach Tour auch ein Reiseführer oder Kartenmaterial dabei sein, sofern du kein GPS Gerät oder andere Möglichkeiten der Orientierung mitnimmst.
Optionale Ausrüstung
Neben dieser Grundausstattung für eine Fernwanderung gibt es eine unendliche Vielzahl an kleinen und großen nützlichen Dingen, die deine Touren erleichtern können. Ultraleichte Packsäcke bringen zum Beispiel selbst nur wenige Gramm Gewicht mit, erleichtern aber die tägliche Suche nach der Ausrüstung im Rucksack enorm (jeder, der schon einmal das einzelne saubere Sockenpaar im 60 Liter Rucksack gesucht hat, kennt das Problem).
Für Übernachtungen in Herbergen oder auf Campingplätzen können Ohrenstöpsel die Nachtruhe retten. Ultraleichte Hocker oder Stühle sind ebenfalls ein komfortables Extra für deine Ausrüstung und machen das ohnehin schon anstrengende Wanderleben in den Pausen und am Zeltplatz ein wenig bequemer.
Ein klein verpackbarer Daypack ist eine sinnvolle Alternative, wenn du nach Etappenende nicht für jeden Einkauf den großen Trekkingrucksack mitnehmen möchtest. Und zu guter Letzt ist es für viele eine liebgewonnene Angewohnheit, die persönlichen Erlebnisse in einem Tagebuch festzuhalten.
